Münchens Kunst und Künstler.
Zwölf Briefe
von
»Z-. Heinrich Merz.
Neunter Brief.
„Auch sie starben für da« Vaterland." — Voisscräc und die Glasmalerei, — Schwan- thaler; drei Haur-Rclicfö! die Hermannschlacht in der Walhalla; antike Arbeiten desselben Meisters. — Seine Persönlichkeit. — Der Bildhauer Schöpf. — Parallele j'vischcil Schwanthalcr, Thorwaldscn nnd Rauch.
Wir stehen vor dem Obelisken, welchen König Ludwig den ,I2»0 im russischen Fcldzuge gefallenen Baiern aus Kanonenerz gießen ließ; denn „auch sie starben für daS Vaterland," wie eS in der
Inschrift heißt..... Boisscrve wohnt in der Nähe, es ist der Mühe
werth, daß Sie einen Gang zu dem äußerst zuvorkommenden und fast zu dienstwilligen Restaurateur der Glasmalerei mit mir machen. Sie werden erstaunen über die Farbenpracht, womit die schönsten Stücke der Boisserve'schen Sammlung, dann namentlich Guido Reni's Himmelfahrt der Maria und Raphael'S sirtinische Madonna je auf einer Glastafel Ihnen entgegentreten. Es ist ein bedeutender Triumph der neuern Technik über die alte, so reine Zeichnung, so reiche Färbung auf einer Platte von bedeutenderer Dimension zu vereinigen, während das Mittelalter seine Glas. Gemälde mühselig aus einzelnen gefärbten Glasscheiben zusammensetzen mußte. Boissewc hätte es gern als Geheimniß behalten und zuletzt wohl um guten Preis verkauft, aber die königliche Porzellanfabrik, (in der Sie die Nachbildungen der schönsten Gemälde der Glyptothek auf Porzellan wieder als bewundernswürdige Leistungen der Münchener Technik sich ansehen müssen), wußte mit Arbeitern auch das Geheimniß ihm
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