Die belgischen Städte und ihre Kunstwerke.
II/) Brüssel.
Der Cultus, den unsre Epoche den Denkmalen der Vergangenheit weiht, wird ihr in den Augen der Nachwelt zur Ehre gereichen. Möge es diesem frommen Cultuö gelingen, jene Handlungen einer blinden Wuth in Vergessenheit zu bringen, welche, wenn wir uns um etwa zwei Jahrhunderte rückwärts versetzen, den schönsten Werken der gothischen Kunst so unheilvoll und verderbenbringend waren. Die Reformation hat überall, besonders aber in Belgien, die Bildsäulen zertrümmert, welche in reicher Anzahl eine Zierde der Portale heiliger Gebäude waren. Spätere politische Umwälzungen von allzu trauriger Berühmtheit haben ebenfalls Alles, was ihr Hammer zu erreichen vermochte, zerstört, und die wenigen Gegenstände, die noch entronnen waren, sielen in die Hände jener vandalischen Käufer der confiscirten Güter ausgewanderter Adligen und aufgehobener Klöster. Und da wir gerade einmal dabei sind, von den Dingen zu sprechen, welche der Erhaltung der Denkmäler gothischer Kunst geschadet haben, so dürfen wir auch der Schule aus der Zeit Ludwig's XV. nicht vergessen, welche Alles, was sie nur berührte, entehrt und entwürdigt hat. Glücklicher Weise hatten unsere Vorfahren so viel und so auf die Dauer gebaut, daß der immer nur vorübergehende Strom der Zerstörung nicht Alles niederzuwerfen vermocht hat. Wir in unserer Zeit gleichen jenem Greise aus einem von, Walter Scott'S Romanen, der an den Grabsteinen die Inschriften wieder lesbar zu machen sucht; wir stellen Ruinen wieder her, wir bekämpfen den vernichtenden Einfluß der Zeit, wir nehmen unvollendet gebliebene Pläne vvn Neuem auf. Am Rheine wachsen nicht der Dom blos, sondern
») Siehe Grcnzboten 1842 zweites Semester No. 17.