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Eine Verirrung des modernen Buchhandels.
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Gine Verirrnng des modernen Buchhandels

HMcm kann, namentlich in Deutschland, nicht oft genug darauf hinweisen, welch hohen Rang .der Buchhandel unter allen übrigen Industriezweigen der Gegenwart einnimmt. Wenn auch, materiell betrachtet, manche andere Industrie großartiger erscheint, weil sie mehr Hände beschäftigt, mehr Geldkräfte in Bewegung setzt, mehr Steuern dem Staate abwirft, so kann doch keine unter allen sich rühmen, so in das innerste Mark der Nation einzugreifen, als der Buchhandel. Oder gibt es noch einen Geschäftszweig, noch einen Gewerbfleiß, der die Blüthe kommender Jahrhunderte, die Entwicke­lung des Nationalcharakters, den Fortschritt der Humanität so in seinem Schooße trägt, wie der Buchhandel? In unsrem deutschen 'Vaterlands besonders, wo der Staat um die Literatur sich nur dann kümmert, wenn er böse Träume hat; wo die Regierungen für die Geister nur so weit Sorge tragen, als sie Gespenster, die man ban­nen muß, in ihnen erblicken; in Deutschland, wo die Aufmunterung von Schriftstellern nicht in den Nessort der Staatsausgaben gezählt wird; wo es zu viel Censoren zu besolden gibt, als daß man wich­tige Werke auf Kosten der Regierung verlegen könnte, wie dies in Frankreich und England der Fall ist; in Deutschland ist es der Buchhandel, der allein Mutter- und Ammenstelle bei der Literatur vertritt, da ist es der Buchhandel, der unö die Akademie und das Jnstiim de France ersetzen muß, der allein den Schriftstellern die Mittel gibt, die Wissenschaft, die Poesie und den Nationalgeist zu belebe» und zu veredeln. Der Buchhandel hat dem deutschen Volke eine Vereinigung, einen Centmlpunkt gesichert, lange zuvor, ehe der Bundestag und der Zollverein ihre langsamen Organisationen be­gonnen haben.

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