Zwei neue F a u st d i ch r u n e n von Woldemar Nürnberger und Czilsky
Als Faust in seiner Unterredung mit Mephiftopheles die bekannten Worte ausrief:
„Mein Busen, der vom Wissensdrang geheilt ist, Soll keinen Schmerzen künftig sich verschließen, Und was der ganzen Menschheit zugetheilt ist, Will ich in meinem innern Selbst genießen. Mit meinem Geist das Höchst', das Tiefste greifen, Ihr Wohl und Weh auf meinen Busen häufen, Und so mein Selbst zu ihrem Selbst erweitern —"
da ist cS ihm gewiß nicht in den Sinn gekommen, den Dichtern, welche sich in der Folge die Mühe geben wollten, zu seiner Berherr- lichung etwas beizutragen, damit den Schein auszustellen, daß er AlleS, waS sie in ihrer Menschlichkeit sich einfallen lassen, waS sie klagen und jauchzen würden, auf seine Rechnung nehmen wolle. Wenn Faust bei der Verschreibuna, seiner Seele an den Teufel auch die Schaar der Dichter mitbedacht hat, die dereinst seinen Hof ausmachen sollten, so konnte er ihnen in jenen Worten keine andere Weisung geben wollen, als diese: gebt, deutsche Sänger, wenn Ihr meinem Leben nachdichten wollt, Euer theures Ich, Eure Privatperson, wie groß sie immer sein mag, in den Kauf, erweitert Euer Selbst zu meinem Selbst und dadurch zu dem der Menschheit; dieS einzig sei Euer Maß, Alles, was dieses Maß nicht ausfüllt, werft hinweg, oder singt und spielt es, wenn eS nicht unterbleiben kann, in jeder andern Maöke, nur nicht in der meinigen; mit meinem Namen, bitte ich, seid sparsam, mit dem Eurigen Haltet'S nach Belieben!
Sollte nicht mancher von Denen, welche den Faust wieder aus' zudichten versuchen, Aehnliches bei sich gedacht haben? Das Beste