Die Franzosen und ihre Berühmtheiten.
Eine Reih e von Portraits. IV.
Bietor Hugo.
Der Kamps zwischen der classischen und der romantischen Schule, welcher sich in Frankreich erhob und mit dem Siege der letzteren endete, ist keineswegs ein blos literarischeS Ereigniß. Der spätere Geschichtsforscher wird an ihm die Symptome deS sieghaften germanischen Geistes nachweisen, der langsam, aber sicheren Schrittes in der Ideenwelt Frankreichs mit jedem Tage an Raum gewinnt. Der französische Geist hat seinen originellen Fonds zum großen Theil aufgezehrt; er braucht des fremden Lebens, um sich anzusrischen und instinctmäßig suchen die Dichter und Denker Frankreichs durch die Culturelemente und Jdeenschwingungcn der benachbarten Nationen ihre eigene Wissenschaft und Literatur zu stärken. Zwei Mal hat die französische Poesie Deutschland zu elektrisiren gesucht; zur Zeit der Chevalerie und der Troubadoure und zur Zeit Ludwigs XIV- und seiner „classischen" Poeten. Aber diese Elektrisirung hat nie das Herz des deutschen Volkes berührt; sie hat ihre Wirkung nur auf die oberste Schichte desselben geäußert. Der deutsche Adel und die deutschen Höfe, in alten wie in modernen Zeiten treue Nachbeter fränkischer Sitte und Kunst, haben auch dem poetischen Impulse jener Nation nachgegeben. Die größten, echt deutschen Herrscher machen hievon keine Ausnahme; der hohenstaufische Friedrich II. führte die Chevalerie an seinem Hofe ein und dichtete selbst im Style der Proven«.!cilen; der hohcnzoller'sche Friedrich II. correspondirte mit Voltaire und ließ sich von demselben verspotten. Der Kern Deutschlands aber, d. h. die Masse seiner Stämme, die Gesammtheit des Volkes, nahm an der Literatur erst dann Antheil, als Dichter aus seiner Mitte in jener Denkweise zu ihm sprachen, die