Die Franzosen und ihre Berühmtheiten.
^ Eine Reihe von Portraits.
II.
Georges Sand.
Ehrwürdiger, lieber Herr!--Ich bekenne vor Gott
und Ihnen, daß-ich eine arme pädagogische Sünderin bin, und viele Gebote Rousseau's und Campe's übertreten habe. Ich bekenne, daß ich nie einen Grundsatz einen Monat lang treu befolgt, sondern nur ein Paar Stunden. Jean Paul. Levana.
Nie kann eine Frau vergessen zu lieben, sie möge dichten oder herrschen. Statt der Kinder suchen dann die genialen die Männer. Sie wollen von diesen geliebt sein, wie Weiber, lieben aber selber wie Männer. So werden sie dann als fliegende Fische zwischen zwei Elementen, zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit, von beiden verwundet und in zwei Reichen verfolgt. Sie werden alsdann desto unglücklicher, je weiter ihr geistiger Umkreis sich auszieht; z.B. eine Dichterin wird's mehr, als eine Malerin.
Ebendaselbst.
Keinem unter den neueren französischen Dichtern hat die deutsche Gesellschaft, in Liebe, wie in Haß, eine solche Summe von Theilnahme zugewandt, als dem weiblichen Dichter, der den Namen Sand angenommen hat, ein Name, der in einer früheren Zeit bei der deutschen Jugend noch andere Aufregungen hervorgebracht hat, als literarische. Wir sagen absichtlich die Gesellschaft, d. h. jene Masse, die um eine Stufe höher als das Publikum steht, ohne dieses auszuschließen; die ihre Elemente aus allen Ständen nimmt und die Repräsentantin der nationalen Bildung ist. Nicht wie Corneille und Racine ist die Sand ein vorübergehender Lurusdichter der deutschen Aristokratie geworden; nicht wie ihre andre romanschreibenden Landsleute hat sie blos Futter für Leihbibliotheken geliefert: ihr Geschick war ein höheres: ihr öffneten sich Hütten und Paläste zugleich. Die deutsche Jugend erschloß ihr mit Begeisterung ihre Herzen und die graubemoosten deutschen Gelehrten, die mür-