Dramaturgische Streifzüge
von
Einem Süddeutschen.
1.
Volk und Drama. — Jmmermann über die Hohenstauftn. — GrMc, Plattn; vnx in>p»li. — Wicntarg und seine Beurtheilung Uhland'S. — Der Balladcndichtcr und
der Dramatiker. — Nahcrc Charakteristik Uhland'S--„Ludwig der Baier" und scin-
Mängcl. — „Herzog Ernst von Schwaben."—Sein Erscheinen auf der Bühne.«) —
Teit geraumer Zeit hat die literarische Discussion ein besonderes Interesse an dem deutschen Schauspiel genommen. Ja es ist unter den Sprechern der heutigen Literatur zur Mode geworden, die baldige Mittagshöhe der Sonne am dramatischen Himmel aus diesem und jenem, und wäre Dieses und Jenes das Nichts selber, ahnungS- und geheimnißvoll zu weissagen. Der Eine erwartet die Reform des deutschen Schauspiels von der Bühne, der Andere erwartet die der Bühne von einer neuen Auflage der dmtschen Dramaturgie. Der Eine weist uns sonnenklar nach, an der Stimmung des Publikums fehle es nicht, wohl aber am Geschmack, der Andere meint dagegen freilich, eben darin bewähre eS seinen Geschmack und seine Bildung, daß es sich nicht in eine Stimmung forcire, welche in ihm selber keine reelle Grund- und Widerlage finde.
Vielleicht ist an dieser Ansicht das meiste Wahre. Betrachtet man Wesen und Erscheinung unseres Volkes, Charakter und Geschichte, so sollte eö sich deutlich genug ergeben, warum das Drama
*) Er kam letzthin an der Stuttgarter Hofbühne zur Aufführung. Die Bühne war gut besetzt und reich decorirt. Das Parterre war voll, doch lau. Die Ranglogen waren leer. Der Hof fehlte natürlich ganz.
Anm. d. Einsenders. II