Deutsche Belletristik im Jahre R8Ä2.
Ein flüchtiger Rückblick.
^R^iftlitcrltur^'"'''''' " ^ Taschmbüch-r. — Dramatiker. - Lyrik. -
Zu eigenem Frommen und um Ihren Lesern einst darüber zu berichten, wollte ich die Erzeugnisse, welche die schöne Literatur Deutschlands im vorigen Jahre producirte, möglichst kennen lernen. Aber die leidige Möglichkeit, die so manchen guten Neujahrs- Vorsatz nicht zur Ausführung kommen läßt, vergönnte auch diesem nur ein kleines Theil der Wirklichkeit. Die Menge jener Produktionen würde selbst ein ganz geschästsfrcies Leserjahr überfüllen, vielmehr noch den kleinen Raum, der mir zum Lesen blieb; überdies waren mir nicht wenige neue Bücher, gute und schlechte, hier zu Lande unzugänglich. Betrachten Sie das Folgende in jeder Hinsicht nur als Fragment, als flüchtiges Verzeichnis- meiner zufälligen Lecture.
Die erste Stelle in der schönen Literatur unserer Zeit nimmt Nach Masse und Bedeutung die Novelle ein — ohne schärfere Unterscheidung hier den Roman mit eingeschlossen. Sie hat das Recht erworben, in ihr früher so beschränktes Bereich alle.Erscheinungen und Interessen deS Lebens einzuführen, und dadurch eine universellere Bedeutung zu gewinnen, als in jener idyllischen Zeit, in welcher sie vorzüglich nur „den Damen" und „der Liebe und Freundschaft" gewidmet war. Geschichte der Vorzeit, Schilderung der Gegenwart, Weissagung der Zukunft bilden ihren weiten Kreis i und indem die Lebensfragen der Politik und der Religion tiefer als je in das sociale Leben eindrangen, wurden sie billig auch in die ursprünglich nur dem letzteren geweihte Novellistik eingeführt. Kann ja selbst der Lyrik ihr Antheil daran nicht mehr verwehrt werden. Die Menschheit, zumal die deutsche, lebt nicht mehr in der