Münchens Kunst nnd Künstler.
Zwölf Briefe
von
»r. H. Merz.
Erster Brief.
Das Aeußerc der Stadt. — Ursache der Wohlfeilheit. — Gustav Adolph's Urtheil. — Widerspruch zwischen der Natur der Stadt und der angesiedelten Kunst. — Die deutschen Maler des Mittelalters. — München und Düsseldorf.
Noch ist mir keine Stadt vorgekommen, welche in sich zerwor- fener, einheitsloser wäre als München. Monate lang gehe ich nun Straßen auf und ub, durch Kirchen und Paläste, durch Kunsttempel und Bierhäuser, in den Werkstätten der Kunst und in der freien Natur, — ich suche und suche und kann dieses München nicht finden, kann mir, seinen Charakter nicht zusammenklauben.
Die alte Stadt, eng in sich geschlossen, hat nichts, weder durch besonderes Alterthum, noch durch besondere Modernität Charakteristisches; vor den Ringmauern hat sie nun seit einigen Jahrzehnten in aller Schnelligkeit nach allen Seiten, besonders gegen Nord und West Straßenarme ausgestreckt, welche, lang und häuserarm, ziemlich unbctreten und menschenleer, je schneller, je einförmiger und unsolider sie gebaut sind, einen desto unbehaglicheren Eindruck von Mangel