64Z
Theodor Rohm,ev über Deutschland.
Die deutschen Publizisten gleichen nicht selten jenem Bauernjün- gcn in der Fabel, der einen Topf Milch auf den Markt bringt, und in Gedanken ausrechnet, wie er für den Erlöß sich eine Gans, und von dem Nutzen der Gans ein Lamm, und von dem Erlöst des Lammes ein Schaf, später eine Kuh, noch später ein Feld, und endlich Weib und Kinder erhalten werde; mittlerweile vergißt er auf den Weg zu sehen, und stolpert, und der Milchtopf mit aller Zukunft liegt auf dem Boden in Scherben. Seitdem die deutsche Presse aus der jahrelangen Noch sich ein wenig erholt, Und ihreii Krug mit etwas Milch gefüllt hat/ macht sie Pläne und Luftschlösser, und vergißt den Weg zu ihren Füßen. Die deutsche Presse hat viel Enthusiasmus, aber wenig Praris, und die Stimmen , die in den deutschen Journalistenwald hineinhallen, sind so verworren, daß man seine Besinnung darüber verlieren könnte. Die deutsche Presse, die noch sich selbst nicht von der Zwingherrschaft der Censur erobert hat, denkt schon daran, das Elsaß von den Franzosen zurückzuverlangen, mit deutschen Flotten und Nationalflaggen die Meere zu besäen, und namentlich die deutsche Philosophie als die alleinige Retterin aller National-' schäden der ganzen Welt, zu'proklamiren.' Wir wünschen keinem unserer Freunde, in die Mitte des Mückenschwarmeö all der politischen Broschüren, welche in den letzten Jahren in Deutschland erschienen sind . Hineinzutreten — wenn er anders -seine fünf Sinne nicht verlieren will. , , ,-
Deutschland geht unstreitig einer großen Zukunft entgegen; mächtig, und stark erhebt sich sein riesenhafter Leib aus dem jahrhundert- langen Schlummer. Was es aber zu -thun und zu unterlassen hat, das kann es in diesem Augenblicke eben so wenig beurtheilen, als ein Kind, das noch,in die Knabenschule geht, über die Wahl seines zu-- künstigen Standes urtheilen kann. Jene Schriften, die daher Deutschlands Zukunft aus seiner Vergangenheit beleuchten wollen, und die historische Erfahrung zu Hülfe ziehen, sind uns willkommen, weil sie