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Tagebuch.
Seite
528
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Plaudereien aus Mainz.

De» Mhein und der Zapfenstreich. Bibm'ch und die Fremden. Schnelle Reisen, Die Littraten, Der Kölner Dom Und der Hamburger Brand.

Ueber mir der'dunkle Abendbimmel mit seinen Gestirnen, vor mir der Rhein mit-seinen Wen Fluchen, von gespenstischen Dampfschiffen durchzogen, geschäftige Menschen mit Laternen eilen wie Irrlichter am Ufer Hin und her, die lange Rhein­brücke steckt wie ein Lcviathan den Riesenlcib über den breiten Fluß, die Rhein- Mften Mppern stille Mendsprüche, der Mond schleicht sich leise aus den Wolken, um unbemerkt sein Reich zu belauschm; ich aber sitze am Fenster, und der warme Nachtlvind lüftet das Papier, auf welchem ich Ihnen schreibe, mit neckischem Spiele. Wenn nur der Zapfenstreich nicht wäre! Da kommen die dreißig österreichischen und preußischen Trommler, und stören meinen stillen Nachtgenuß und wecken den Rhein aus seinem ersten Schlummer. Welch Gcwirbel! Nun ja, wir wissen ja, daß Ihr unsere Herren seid, Männer des Kriegs, wir erkennen Eure Herrschaft, Eure Macht an, nicht nur wir, sondern auch unsere Weiber und Töchter. Warum müßt Ihr uns jeden Augenblick daran erinnern? Wahrlich der Himmel wacht, daß der Glückliche nicht übermüthig werde. Zeigt mir einen schöneren Punkt der Welt, als dies Mainz, das wie ein glückliches Kind am Busen des Rheins schlum­mert, von Reben bekränzt sorgenlos und fröhlich I Aber um es vor Uebermuth zu bewahren, hat es der Herr zu einer Vcstung gemacht, und österreichische und preußische Sporen und Schwerter klirren durch seine Straßen, und mitten im tief­sten Frieden ruft ihr Anblick ein mcmenlo inor!, gedenke des Kriegs, in die Seele. Sonderbares Schicksal des Rheins und seiner Bewohner, von der Natur znm Frie­den, zum Genuß, zur ruhigen Beschaulichkeit geschaffen, wurden sie immer ein Werkzeug wilden Streits. Welcher deutsche Fluß trägt den Stempel heiliger Ruhe,