T a g e b u rh.
i.
Bekenntnisse der Grenzbotcn.
Mit dem Beginne der zweiten Hälfte dieses Iahrev haben diese Blatte« eine Veränderung erlebt. Sie haben ihrem Geburtsort außerhalb der deutschen Grenzen Balct gesagt, um ihr Zelt im Innern von Deutschland aufzuschlagen; sie haben die Wcrl'stätte ihres Druckes von Brüssel nach Leipzig verlegt.
Eine neue Epoche bricht für sie herein. Bisher glichen diese Blätter jenen freien Tschcrkessen, die ihrem Baterland aus eignem Triebe dienen, unberührt von Polizei- und Regimentszwang, nur ihrem eigenen Gewissen folgend; nun treten sie in die Reihe der — Civilisation! Fortan werden sie nicht mehr Bart und Haupthaare nach Lust sich wachsen lassen; sie werden ihre Nägel beschneiden, ihr Kinn glatt schceren und ihre Glieder in dieselbe Uniform stek- ?en lassen, welche alle übrigen civilisirten Journale Deutschlands ziert.
Da steht sie, die gute Mutter der Deutschen, die Gattin Hermann des Cheruskers, die gute treue Mutter Censur! Da steht sie und breitet zärtlich ihre Arme aus, um uns zu empfangen, und weinend stürzen wir an ihre Brust und Thränen der Rührung ersticken unsere Stimme.
O zürne nicht, du liebevolle, erhabne Mutter, daß wir dich so lange verleugnete», daß wir so lange auf fremdem Boden deinen treuen Blicken uns entzogen. Wir haben es schwer gebüßt! Aus allen deutschen Gauen hat man uns zurückgewiesen, denn die Deutschen sind Männer von tiefer Empfindung und dem Sohne, der seine Mutter verleugnet, verschließen die Pförtner alle Thore.