Die deutschen Schriftsteller und die Gesellschaft
I.
— Sonst und Jetzt —
Es gab eine Zeit, wo der Autor, wenn er keinen sonstigen Rang und Titel besaß, in der Gesellschaft kein Ansehen hatte. Die kühnsten und edelsten Geister dieser Art waren gewissermaßen vogelfrei. Der große Haufe hielt die Verschiedenheit der Stände nicht für eine historische, sondern naturhistorische Frucht, für eine vom lieben Herrgott selbst am sechsten Tage eingesetzte Ordnung; als Gott die großen und die kleinen Lichter am Himmel schuf, ließ er auch die Könige und Fürsten, die Bischöfe und Bürgermeister, dann die Schneidermeister, Schuster und die übrigen löblichen Zünfte und Honoratioren wachsen. In welches Fach sollte man den Schriftsteller stecken? ES blieb ihm nichts übrig, als auf Schiller's Rath mit Gott in seinem Himmel zu wohnen. Dem ordentlichen Bürger war er ein überzähliges Geschöpf, der lustige Hosnarr der Welt. Er stand aber nicht unter, sondern außer der Gesellschaft und über ihr; er war Bettler und König zugleich. Denn nicht nur die Spießbürgerlichkeit der Stände, sondern auch sein Stolz machte ihn zum Fremdling in den Kreisen deö geselligen Lebens. Zu solcher Laufbahn gehörte ein heroischer Muth, ein starker Geist, deshalb gab eS unter den Schrifthelden des vorigen Jahrhunderts, wie einst unter den italienischen und spanischen Malern, so viel reckenhafte, eigenwillige, wildfrete Charaktere: Heinse, Lesstng, Lenz, Seume, OelSner, Schubart u. A. Wer fühlte nicht einen Ehrfurchtsschauer, wenn er den Ausdruck gebietender Freiheit im Antlitz dieser Literaten steht,