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Die deutschen Separatisten im transkaukasischen Rußland.
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Die deutschen Separatisten im transkaukasischen Rußland.

Wie bekannt, sind im transkaukasischen Rußland mehre sehr blühende deutsche Kolonien, und ebenfalls bekannt möchte sein, daß sich hier in den zwanziger Jahren eine Sekte entwickelte, deren wunderlicher Chiliasmus im Jahre 1843 einen Theil der Kolonisten beinahe zur Auswanderung nach Jeru­salem getrieben Hütte. In dem neulich von uns angezeigten Buche Professor Kolenatis*) findet sich eine Darstellung der Geschichte dieser Separatisten, welche ein recht gutes Bild von der Suche gibt, und welche wir im Folgen­den auszugsweise mittheilen. Man wird in den Zügen dieser Spohnianer große AehnliclMt mit den Tunkern der Hinterwälder Amerikas und in dem weib­lichen heiligen Geiste selbst einen Vergleichspunkt mit den Shakern finden ein Beweis, daß Ungebildete mit religiösem Bedürfniß, losgerissen aus dem Cultur­kreis der Heimath und hinausgeführt in die zur Beschaulichkeit, zum Grübeln und Träumen anregende Einsamkeit von Niederlassungen in Urwald, Steppe oder Gebirg, so ziemlich aus dieselben wunderlichen Einbildungen gerathen, mögen sie im fernen Osten oder im fernen Westen ihr Haus bauen.

Der grusinische Separatismus scheint schon auf dem Zuge jener Kolonisten von Schwaben nach Südrußland entstanden zu sein. Seine Ausbildung wurde dadurch begünstigt, daß es anfangs an Predigern mangelte, welche die Gemeinden zu gemeinschaftlichem Gottesdienst versammeln konnten. So gab es bald Con- ventikel, und so fanden sich Leute, welche erst bloße Ausleger der Bibel waren, mit der Zeit aber zu Propheten wurden. Zuerst beschränkte man sich (ganz wie jene Tunker) in seinem Gegensatz gegen die Kirche darauf, daß man die Bibel wörtlich nahm.

Im Jahre 1820 wurden einige der Kirche gänzlich untreu und hieltet Versammlungen, in denen Stellen aus der Bibel vorgelesen wurden, worauf die Versammelten insgesammt in ein ost stundenlanges Nachdenken versanken. Dies war in der ersten Zeit ihr Gottesdienst; doch ließen sie nach den Ein­richtungen der Kirche taufen, so wie auch trauen. Das Resultat ihres Nach­denkens war vorerst eine Auseinandersetzung der Beweggründe, warum die Kirchlichen sich im Bethause versammelten, nämlich sagten sie um der Hoffart durch Kleiderpracht zu fröhnen und um sich von dem Witz eines gelehrten Mannes blenden zu lassen, der ein unnützes Glied der Gesellschaft, eine Last der Gemeinde sei und ihres Gleichen nicht sein wolle. Zur Zeit der Apostel habe man sich nicht in Kirchen versammelt, sondern es sei unter einem Baume,

») Die Vereisung Hocharmeniens und Elisabethopols von F. A. Kolenatr. Dresden, R. Kurche. 1358.