Zwei Seelen
Lin Lebensbild von Wilhelm Speck (Fortsetzung)
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s war ail einem Sonntag, als ich dem Dorfe, worin ich mein Leben weiterzuführen gedachte, zuwanderte. Ich war durch lichte Frühlings- nuen gezogen, vorüber an Dörfern und Weilern, an hohen Burgen und Schlössern. Au der Seite manches fröhlichen Baches und durch schöne, frischgrüne Wälder war ich gewandert, immer der unbekannten Welt entgegen, die in geheimnisvoller Stille und Große bald wie ei» düstres vieltürmiges Mcmerwert, bald als eine feingegliedertc Silberwolke zu "nr niederschante. Nun war ich meinem Ziele nah und ging die letzten Stunden >ncht mehr auf der gewöhnlichen Straße, sondern auf einem nähern Saumpfad, durch einen dichten, auf allen Seiten geschlossenen Nadelwald.
Es war spät am Nachmittag, als ich den höchsten Punkt in diesem Walde c» sichte. Die Sonne war schon tief gesunken, warmes goldnes Licht flntete um die ^Wfel und glänzte über fernen Bergzügen, unter mir aber, wo die Felseu zu einer Ichwindelndeu Tiefe abfielen, schieu es schon Nacht zu werden. Von einer mensch- >chen Ansiedluug war keine Spnr zn sehen, und nirgends in dieser Einsamkeit war ^ne Stimme zu hören, kein Wasser rauschte, auch keine Herdenglvcke läutete in die stille herein. Alles war still, als hielte die Natur den Atem an, und die große ^uste Landschaft stand unbeweglich im Abendlicht. Nur ein einzelnes Wölkchen, ^ sich wohl cmch verloren haben mochte, irrte einsam über den Himmel. Endlich entdeckte mein Auge, das suchend über die Wnldfläche glitt, seitwärts unter mir ein Mzernes Kreuz, wie ich schon manches auf meiner Wanderung gesehen hatte. Dieses "ußte von bedeutender Höhe sein, da es über die Tannen hinausragte, und so ver- "h' daß es nicht nur die Bestimmung habe, an seinem Platze auf einen zufälligen Wandrer einzuwirkeu, sondern daß es auch unten im Tal gesehen werden >°'lte und also wohl auch selbst auf menschliche Wohnungen hiuabschaue. . Niedersteigend fand ich mich auch in meiner Erwartung nicht getäuscht: als ") am Fuße des Kreuzes stand, hatte ich das Dorf dicht unter mir. r ,Mw wurde warm und weich ums Herz, als ich nach all der Stille und Ein- mnteit wieder ans die Häuser der Menschen hinabsah. Das Dorf lag auf einem dm k? Wiesenstreifen, zu dessen beiden Seiten der Wald steil emporstieg, eiu teno ^ ^"""enwald, untermischt mit hellgrünen Lärchen und unterbrochen von lench- Stm"? "ber einige kühne Felszacken. Eine wundersame
bra, ^ l die Stimme des Baches, der unten über Felsblöcke Hin
nichts '"^ ^" Mistern, und sonst hörte mau nichts uud sah sich auch
schei ^<^" Wollen, die laugsam über den Himmel zogen, uud den Sonnen-
ie '!>' ^' ^esen Wolken kam und ging. Aber die Stille hatte jetzt, wo würd - Wch>"mgen der Menschen schwebte, nichts Bedrückendes mehr, sondern sie Seel s" goldnen Feiertagsfrieden, der sich warm uud liud auch über meine Mens s ^' ^ ^h ^cmd, eiu einsamer Wandrer und ein einsamer
bock -s der gewaltigen Natur, die tief zu meinen Füßen lag uud sich
^ V uver mich bis in die Wolken erhob, dn rückte sich manches in meinem Leben