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Unser Freund der Sultan
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Unser Freund der Sultan

on Zeit zu Zeit verwandelt sich der europäische Seniorenkonvent der Türkei gegenüber in ein medizinisches Kollegium, das zu einer Konsultation über das Befinden des kranken Mannes zusammentritt. Wenn es dabei ohne Operation und Amputation abgeht, mag die Türkei von Glück sagen. Zeitweilig greifen auch nur die Spezialisten ein, Nußland und Österreich, ihr neuestes Rezept ist das Mürzsteger Programm. Sein Inhalt ist aus der Tagespresse genügend bekannt. Bei genauerer Prüfung stellt sich heraus, daß die Schwierigkeiten, über die es hinweghelfen sollte, für Nußland mindestens ebensogroß waren und heute noch sind, wie für die Türkei. Hätte man dieser freie Hand ge­lassen, das Übel an seiner Wurzel aufzusuchen und abzuschneiden, so würde es dem türkischen Heere wahrscheinlich weniger schwierig gewesen sein, die bulgarische Armee zu schlagen und in Sofia ein Exempel der oberlehnsherr- Uchen Gewalt des Sultans zu statuieren, als auf unwegsamen Gebirgspfaden wit den bulgarischen Bänden einen mörderischen Guerillakrieg zu fuhren, ^er türkische Soldat ist ein Soldat für die Feldschlacht, da kann geschickte Fuhrung viel aus ihm machen. Das bulgarische Heer ist noch unerprobt. wenigstens den Türken gegenüber. Fürst Alexander hat seinerzeit die Serben zu Paaren getrieben und würde sie völlig niedergeworfen haben, wenn Osterreich Nicht ^e schützende Hand darüber gehalten und den siegreichen Einbruch des Bulgaren- sürsten in die österreichische Machtsphäre bei Pirot verhindert Hütte. Jedoch, die Serben zu besiegeu war nicht sehr schwer, auch siel der Löwenanteil wohl der heldenmütigen Soldatennatur des Fürsten Alexander zu und der Schule des deutschen Heeres, aus dem er hervorgegangen war. Er hat das noch in den letzten Jahren seines Lebens als österreichischer Regiments- und Brigadekommandeur bewiesen. Als bei den Günser Manövern von 18L>6 vieles drunter und drüber ging, und Kaiser Franz Joseph erregt und un­gehalten wurde, hatte Graf Hartenau. der Sieger von Sliwnitza. Wne Truppen so fest und sicher in der Hand, daß der deutsche Kaiser und Konig Älbert von Sachsen zn ihm heranritten und ihm Worte höchster Anerkennung sagten, denen dann auch Kaiser Franz Joseph beistimmte. Unter solcher Führung würde die bulgarische Armee auch vielleicht gegen das türkische Heer der acht- Grenzboten IV 1903