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Das galante Jahrhundert
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Das galante Jahrhundert

reunde und Freundilmcn des avoieu rvAimo sollen hierdurch auf eine vor kurzern im Verlage von Karl Ncißner in Dresden er­schienene Übersetzung aus dem Italienischen aufmerksam gemacht werden, die Neera. Das galante Jahrhundert betitelt ist nnd nebst einer füufuuddreißig Seiten langenEinleitung" kurze Lebensabrisse von sieben durch ihren Geist uud ihre Galanterie bekannt gewordneu Französinnen des achtzehnten Jahrhunderts bringt.

Das Buch ist durchaus ehrbar uud als Ergebnis eifrigen Memoireu- stndiums interessant und belehrend. Die Sitten nnd Lebensgewohnheiten der französischen feineu Welt während der Regentschaft nnd der Negierung Ludwig? des Fünfzehnten sind zu bekannt, als daß es einer besondern Bemerkung darüber bedürfte, daß man es bei den sieben in dem Buche geschilderten Damen nicht mit Quäkerinnen uud Puritanerinnen zu tnn hat; wie HanS Storck im Tal des Lebens so possierlich sagt: eher das Gegenteil.

Was man als Entschuldigung für die fehlende Moral anführen kann, ist eine gewisse Eleganz nnd ein begütigender geistreicher Zug inmitten der sich hünfendcn Entgleisungen und Abwege, und Neera wird, ohne uuser durch die Leichtfertigkeit der an uns vorübergaukelnden Schmetterlinge bisweilen etwas befremdetes Urteil beeinflussen zn wollen, den etwa geltend zu machenden mildernden Umständen mit vieler Bereitwilligkeit gerecht. Etwas unbequem, weil, man nicht recht mit dem dadurch verursachten unbehaglichen Gefühle fertig zu werden weiß, ist die von der Verfasserin vorausgesetzte völlige Un­wissenheit des Lesers, der infolgedessen eine Reihe vvn Belehrungen über Dinge empfängt, die ihm ohnehin geläufig siud. Wenn ein Primaner zu einem Knrsns in einer Beboschule verurteilt würde, möchten seine Gefühle un­gefähr die des Lesers sein, der über Rousseau, Voltaire, Diderot, Montes­quieu und d'Alembert mit literaturgeschichtlichen Anfangsgründen traktiert wird. Sollten dem Gros des italienischen Publikums wirklich die in Frage befangnen Verhältnisse so fern liege», daß derartige Belehrungen nötig gewesen wären? Wenn es der Fall ist, so ist es ein neuer Beweis davon, daß Übersetzungen, wenn sie anch noch so geschickt gemacht sind, immer um deswillen ein wenig fremd bleiben, weil sie von einem Publikum gelesen werden, für das das Original nicht bestimmt war.

Das Leidige dabei ist, daß man obendrein nicht immer mit den Be­hauptungen der lehrsreudigeu Neera einverstanden sein kann. So ist für mich z- B. der Satz:Boncher. ein schwacher Kolorist, hatte Fener und Phantasie, aber wenig Lebenswahrheit und noch weniger Noblesse . . . ü u'aviüt pas vu SQ don Usn" Unsinn zu Pferde, und ich möchte vermuten, daß