Das rote Gespenst bei Licht
>as Ergebnis der letzten Neichstagswahlen hatte weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein zunächst nicht unberechtigtes Aufscheu wachgerufen. Dort, wo man uns wohlwollte, sah man mit Besorgnis das Anwachsen einer Partei, die die Neichs- zerstörung auf ihre Fahne geschrieben hat, und wenngleich noch hinreichend Bürgschaften vorhanden sind, die die Erreichung dieses Aels m weite Ferne rücken, so waren und sind zum mindesten doch parlamentarische Schwierigkeiten mit unberechenbaren Folgen vorauszusehen. An andern Orten, wo man uns weniger freundlich gesinnt ist, sah man mit schlecht verhehlter Schadenfreude den Neichsbau wanken, das Heer unzuverlässig, drei Millionen deutsche Sozialdemokraten bereit, den Feinden Deutschlands direkt oder indirekt die Hand zu bieten, die Ohnmacht des Reichs von innen heraus zur erwünschten Tatsache werden. Aber noch sind keine fünf Monate seit dem Wahltage m das Land gegangen, und Inland wie Ausland haben sich überzeugt, daß bei dem scheinbar so ungeheuern Wahlerfolge der Sozialdemokratie, genau ^o wie es bei den meisten parteipolitischen Kämpfen der Fall zu sein pflegt, start mit Wasser gekocht worden ist. Zunächst belehrte der sozialdemokratische Parteitag darüber, daß der riesenhafte Turm doch zum guten Teil nur aus Stuck und Pappe besteht. Seitdem hat sich aber auch die forschende Wissenschaft, die Statistik, an die Arbeit gemacht und mit unwiderleglichcn Zahlen nachgewiesen, wie viel oder wie wenig von diesem Glänze wirkliches Gold ist.
Die vom Kaiserlich Statistischen Amt auf Grund der Berichte der Wahlkommissare aufgestellte „vergleichende Übersicht der Neichstagswahten von 1898 und 1903." eintest von 67 Quartseiten, darf für sich oa^ov beanspruchen, daß wohl noch niemals eine Wahlstatistik so sorgfältig und W seitig die Wahlergebnisse gesichtet und zahlenmäßig ihre Bedeutung «» S "i hat. wie es diesesmal der Fall ist; dabei in höchst übersichtlicher, für je»am leichtverständlicher Form. Die ausführliche Wahlstatistik st-ht '^1 b w u v Wird, wie üblich, dem Reichstage zugehn; die vorliegende Übersicht Y ^ Sonderabdrnck aus den Vierteljahrsheften zur Statistik des D^ch u Rnchs. im Verlage vou Puttkammer und Mühlbrecht in Berlin zum Ladenpr ise von einer Mark erschienen nud führt, soviel verlautet, in ihrer klaren beredten Grcnzbow, IV 1903