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Aus der Jugendzeit : Erinnerungen : (Fortsetzung) : 11. Das Gymnasium (Fortsetzung)
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wei Seelen

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unterricht sehr ernst. Aber bei allem Respekt, mit dem wir uns bor ihnen und namentlich dem Superintendenten beugten, und bei allem Fleiß, mit dem wir über jede Konfirmandenstnnde ein ausführliches Heft ausarbeiteten, empfingen wir doch in diesem Unterricht nur überaus dürftige religiöse Anregungen. Ich habe die damals von mir ausgearbeiteten Konfirmandenanfsätze noch. Mit Wehmut ersehe ich aus ihnen, mit welcher verstandesmäßigen Trockenheit uns ein willkürlich zurecht­gestutztes, erschreckeud dürftiges System angeblich christlicher Lehre damals ein­geprägt worden ist. Von anthropologischen Notizen ausgehend, gibt dieses System eine Reihe dürftiger Begriffe von Gott und der als Erlösnng bezeichneten Er­scheinung Christi, für einfache Kindergemüter zn hoch und für die aufkeimenden Zweifel nnd Fragen des Sekundaners nicht ausreichend. Alle wirklich die Herzen bewegenden Fragen werden stillschweigend umgangen, und die Versuche, einzelne religiöse Begriffe zu erläutern, sind so platt und unzureichend, daß sie auch ein bescheidnes Kindergcmüt nicht zu befriedigen vermögen. Wenn uns dieser Unter­richt nnd die darauffolgende Konfirmation wirklich etwas gegeben haben, so war es der Respekt vor dem sittlichen Ernst unsrer Geistlichen und allenfalls die äußere Konfirmationsfeier vor der Gemeinde und den Eltern. Sie wirkte auf das Gefühl und machte wenigstens soviel Eindruck auf uns, daß wir gerührt den Vorsatz faßten, gute und ordentliche Menschen zu werde» uud unsre Eltern nicht zu be­trüben. Am 28. März 1847, am Palmsonntag, wurde ich in der Benediktikirche meiner Vaterstadt von dem Superintendenten Schmidt konfirmiert und empfing zum erstenmal das heilige Abendmahl. Mein Konfirmativnsspruch war:Sei getreu vis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." Ich entsinne mich wvhl. daß ich bewegt war; aber mit Betrübnis muß ich bekennen, daß ich die ^-rene mcht gehalten habe. Es war alles herzlich gnt gemeint, von den Geistlichen, oen Eltern und den Kindern; aber in die Tiefe ging es nicht. Alles war unklar. Herz war »ns die evangelische Kirche mit ihren reichen Gaben nicht gedrungen. Mehr als vorher fühlte ich mich nach der Konfirmation als erwachsen, obwohl uoch nicht fünfzehn Jahre alt war. Natürlich wurde ich von den ältern Sekun- anern nunmehr auch für ihre Verbindung Hercyuia geworben. Wir trngen die gume Vcrbiudungsmütze mit schwarz und weißem Rande ganz offen. Die Lehrer nlten daraus nichts Arges. Warm geworden bin ich aber unter den Hercynen ncht. Sie trieben das Kneipen nnd Fechten weit studentischer, als wir als Tertianer d?/ ') AH "ber hatte damals mehr Interesse an der Schule, als an

die "s> ^""^M Treiben. Übrigens hörte der ganze Verbindungsschwindel, da selbst ? Mitglieder die Schule verließen, ohne Sang und Klang bald ganz von . Das war für die Schule ein entschiedner Gewinn. Unsre Lehrer aber

waren daran unschuldig. Überdies erschien das Jahr 1848.

(Fortsetzung folgt)

Zwei Seelen

Lin Lebensbild von Wilhelm Speck (Fortsetzung)

s war in diesen Tagen, daß mich der Meister fragte, ob ich nicht für ihn zu dem Großhändler, mit dem er in Geschäftsverkehr stand, reisen wolle. Sonst hatte er diesen Weg selbst gemacht, aber er fühlte sich nicht mehr so sicher wie sonst auf den Beinen nnd fürchtete sich vor dem Gedränge und Gestoße in den Straßen der großen Stadt; vielleicht daß er mich glaubte, es sei meinem wirren Kopf etwnK " Luftveränderung förderlich. Ich ging gern. Es war doch einmal oas neues und andres. Die Reise erfreute und erheiterte mich. Die Sonne Grcnzbotcn IV Igyg 49