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Zwei Seelen : ein Lebensbild :
(Fortsetzung)
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Jeder wunderte sich. Der Mann hatte in leidlichen Verhältnissen gelebt ohne be­sondre Sorgen, freilich auch ohne rechte Freude. So scharf man aber auch sein Leben durchforschte, es ließ sich keine Ursache finden, die seine Tat erklärlich machte, man mußte annehmen, er sei eben zu der Ansicht gekommen, es lohne sich nicht, weiterzuleben, da etwas Neues und Besseres schwerlich eintreten werde. Nun lag er ruhig zu unsern Füßen, mit einem zufriednen Ausdruck, fast einem Lächeln auf seinem Gesicht, als mache er sich über uus lustig. Spriugt eiu Mensch aus eignem Entschluß in den Tod hinein, so steht zu erwarten, daß andre hinter ihm herstürzeu. Die Nebel haben sich unter ihm zerteilt nnd plötzlich eine feierliche Tiefe geöffnet. Aus dieser Tiefe aber strecken sich unsichtbare Hände empor und suchen zu ergreifen, was uur noch lose und äußerlich mit dem Leben zusammenhangt. Sterben? Darüber ließe sich reden. Der liebe Gott hatte sich längst wieder hinter seine Wolken zurückgezogen, ich fühlte mich als aufgeklärten Menschen. Die Auf­klärung hat aber bei dem Menschen eine ganz andre Wirkung als in der Natur. Wenn sich die Natur aufklärt, schwindet der Dunst, der die Welt um uus her überschwemmt hatte, Berg und Hügel bis zu deu letzten fernen Kuppeu entfalten sich in deni reinen Licht, nnd darüber spannen sich die Weiten des Himmels ans, in dessen Tiefen neue großen Welten glühn. Der Mensch aber beugt sich vor dieser Unendlichkeit und ahnt die Kraft, die alle Räder treibt. Wenn aber er selber in die Aufklärung hineingerät, so verhüllen sich alle Fernen, verschließen sich Höhen und Tiefen, er sieht nnr noch sich selber und was er mit Händen greifen kann. Der liebe Gott war mir also verloren gegangen, aber den Teufel fürchtete ich noch immer. Wer weiß, was das ist, wovon der Vorhang zittert? Nicht die Furcht Gottes, der Eindruck seines allmächtigen, die Menschen richtenden Wesens, mich uicht Pflichtgefühl hielt mich zurück, es war allein die Scheu vor dem Unbe­kannten und Ungewissen, was mich in meinem Kreise auszuharreu zwnug. Ich hüllte jedoch meine Feigheit in ein anständiges Mäntelchen, indem ich zu mir sagte, es sei doch unklug und würde als ein rechter Narrenstreich anzusehen sein, ein Spiel verloren zu geben, ehe die letzten Züge zu überblicken wären.

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Neichsspiegel. Nach dembayrischen" Schatzsekretär hat das Reich soeben auch noch eineuwürttembergischen" Präsidenten seines obersten Gerichtshofes er­halten. Süddentschland darf sich nicht beklagen. Für die sonst im Süden Wohl noch kolportierte Meinung, daß das Reich vonostelbischen Junkern" regiert werde, ist fortan kein Boden mehr. Zwei Männer aus den Ländern der Neservatrechte sind in die obersten Ämter des Reichs berufen worden, der Bayer von Stengel zum Reichssäckelwart, und der Schwabe Gutbrod auf den Stuhl Simsous. Die Bernfnng beider ist weithin beifällig aufgenommen worden. Derbayrische" Säckelwnrt will etwas mehr besagen, als wenn ein Preußischer Geheimrnt diesen Platz erhalten hätte. Denn den Bayern in Berlin wird ein gewisser Unabhängig­keitssinn, ein festes Rückgrat nachgerühmt, wie es ans der Stufenleiter der preußischen Beamtenschaft neuerdings nicht mehr so oft zu finden ist, wobei die erfreulichen Aus­nahmen nur die Regel bestätigen. Belege dafür, daß in jedem Bayer in Berlin, soweit er eine hohe amtliche Stellung einnimmt, gleichviel ob Franke, Schwabe, Oberbayer oder Pfälzcr, ein Stück Hvchgebirgler steckt, gehn in der Reichshnupt- stadt von Muud zu Mund, uud in Müuchen weiß man schmunzelnd noch manches mehr darüber zu erzählen. Einbayrischer" Säckelwart mag sich also auch wohl mit sehr viel größerm Unabhängigkeitssinn in die Rolle des Drachen finden, der