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Maßgebliches und Unmaßgebliches
Von einem Menschen, der mir fremd geworden ist. Ich weiß, daß ich es selbst bin, von dem ich erzähle, und fühle doch meine Hand wie die eines andern, und mein Leben, als ob es mir nicht mehr gehörte, was ja auch der Fall ist.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
„Crispi in Friedrichsruh." Es gehört zu den bemerkenswerten Zeichen der Zeit, wie sehr man sich von italienischer Seite befleißigt hat, vor der Reise des Königspaares nach Paris die Straße dorthin zu kehren und unliebsame Erinnerungen wegzuräumen. Wenn in den Trinksprücheu, die König Viktor Emanuel mit Herrn Loubet gewechselt hat, der alten Waffenbrüderschaft dennoch keine Erwähnung getan worden ist, so belehrt uns die ministerielle römische „Tribuna," daß dies „nicht nur aus Schonung der Verbündeten Italiens" geschehen sei, sondern „weil der Zweibund und der Dreibund nicht mehr als widerstreitende Elemente erscheinen und ihre Glieder einander die Hand drücken können, ohne daß bedenkliche Vorbehalte geargwöhnt werden." Der „Daily Telegraph" hat diesen Gedanken noch weiter dahin kommentiert, daß die Gewalt der Umstände die großen Mittelmeermächte zu engerm Zusammenschluß bringe. „Es sieht sehr danach aus, als ob wir am Vorabend der Auflösung der offiziellen Bündnisse und ihrer Ersetzung durch Gruppen stünden, die ohne äußere Form durch gemeinsame Jnteressen- sympathien verbunden werden." Dieser Satz drückt den Wunsch Englands aus, deu ihm lästigen Zweibund aufgelöst zu sehen und selbst statt Rußlands an die Seite Frankreichs zu treten. Die freilich recht dürftige englisch-französische Schiedsgerichtsabmachung ist ein Schritt auf diesem Wege.
Zwischen den Zeilen liest man den weitern Wunsch Englands, durch einen „Zusammenschluß der Mittelmeermächte" das Mittelländische Meer unter Umständen zu einem inars elÄU8um zu machen und die russische Flotte bei ihrer Bewegung von der Ostsee nach Ostasien gelegentlich auf den Weg um das Kap zu verweisen. Vielleicht auch die deutsche. Zum Glück werden alle Dinge in dieser Welt nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht werden, zumal bei Monarchenbegegnungen. Die Begeisterung der Presse bei solchen Gelegenheiten gleicht leicht dem übermäßigen und deshalb mächtig herausquellenden Schaum im Champagnerglase. Ist König Viktor Emanuel erst wieder zu Hause, so wird sich ihm auch die Überzeugung gebieterisch wieder aufdrängen, daß die Anlehnung an die Republik nur die republikanische Richtung in Italien stärken kann, die ohnehin vielleicht kaum noch der Stärkung bedarf, während der Platz des alten savoyischen Königshauses doch nur au der Seite der großen und starken Monarchien Europas sein kann. Die unermüdlichen, jetzt scheinbar gekrönten Anstrengungen des französischen Botschafters Barrere in Rom gelten doch am allerletzten der Befestigung der italienischen Dynastie, die sich im Gefolge der französischen Politik sehr bald vor die Wahl gestellt sehen würde, Satrapie Frankreichs oder überhaupt uicht mehr zu sein. Hierzu kommt, daß sich auch die französische Republik immer noch, trotz aller Kloster- stürmerei, als Soldat des Papsttums betrachtet, und daß es nur einer klerikalen Kammermehrheit bedarf, die g<zstg, vc-i psr ^ranoo« im Dienste der Wiederherstellung der weltlichen Gewalt von neuem aufleben zu lassen. Die heutige Richtung in Frankreich wird ja nicht immer die maßgebende bleiben, im Gegenteil, die Extreme berühren sich. Auf das antiklerikale Regime wird in gegebner Zeit ein klerikales folgen, und Italien wird dann allen Grund haben, sich nach Freunden umzusehen, die mit ihm durch dauernde Interessen verbunden sind.
Man hat oft davon gesprochen, daß der französisch-russische Zweibund sich weit mehr gegen England als gegen Deutschland richte. Je nach Umständen mag