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Aus der Jugendzeit : Erinnerungen : (Fortsetzung) : 10. Das Gymnasium
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Aus der Jugendzeit

Erinnerungen von v, vr, Robert Bosse (Fortsetzung) ^0. Das Gymnasium !U Ostern 1842 ich war also noch nicht volle zehn Jahre alt waren wir in der Volksschule und durch den von Herrn Scharfe uns erteilten Privatunterricht im Lateinischen so weit gefördert, das; wir zur Aufnahme in die Sexta des Gymnasiums angemeldet wurden. Wir mochten sechs oder acht Jungen sein, die in dieser Weise für !das Gymnasium vorgebildet waren. Mein Vater ging eines Tags mit mir zu dem Gymnasinldirektor Dr. Nichter, dieser prüfte mich nnd erklärte mich reif für die Sexta.

Mit unserm bisherigen Lehrer Herrn Scharfe blieben wir indessen auch weiter im Zusammenhang. Er nahm uns zuweilen mit auf Fußpartien in den Harz, und namentlich machten wir mit ihm in den ersten Pfingstferien, die nur auf dem Gymnasium erlebten, eine prachtvolle Fußwanderung nach dem Kyffhnuser. Wir mochten vier oder sechs Jungen sein, die, den Schulranzen auf dem Rücke», mit Herrn Scharfe eines Morgens in aller Frühe den Marsch antraten. Wir gingen über Gernrode, das Sternhaus, den Mägdesprung immer tiefer in den östlichen Teil des Uuterharzes hinein bis nach Breitenbach, einem zur Grafschaft Stolberg- Roßla gehörendem Dorfe, wo Herr Scharfe geboren war. Seine Brüder besaßen dort einen Bauernhof uud betrieben von da ans ein ausgedehntes Frachtfuhrwert, Namentlich fuhren sie für Nordhäuser Handelsfirmen Waren nach Süddentschlcmd und kamen dabei bis Augsburg uud uoch darüber hinaus. In Breitenbach wurden wir im Scharfischen Hause gastlich aufgenommen. Ein großer Baum- uud Gras­garten erschien uns ideal, und zum Abendessen gab es sehr wohlschmeckende Eier­kuchen von riesigem Umfange. Nur der Salat dazu, der mit Rüböl zubereitet war, schmeckte uns verwöhnten Stadtjungen nicht. Abends nach Tisch erzählten die Fuhrleute von ihren Reisen, Wir horchten hoch auf, als sie schlicht und be­scheiden von deu Herrlichkeiten berichteten, die sieunten im Reich" gesehen hatten. Die Fuhrmannspoesie oder vielmehr die Poesie des Fnhrmannslebens ist kein leerer Wahn.

Als ich in Heidelberg studierte, sangeu meine süddeutschen Korpsbrüder ein wundervolles Fuhrmauuslied:

Fuhrmnnnsbun bin i scho fimftehalben Jahr, FuhrmcmnSbu bleib i noch lang, Fahr Städtel aus, Städtel cw, Fahr Stndtel aus, Städtel ein, Fuhrmcmnsbua bin i scho fimftehalben Jahr, Fuhrmnmisbu bleib i noch lnng.

Ich habe das Lied um seiner schönen Melodie nullen mit großer Passion mit­gesungen. Aber von allen Norddeutschen in unserm Korps war ich der einzige, der von der Poesie des Fuhrmannslebens schon einmal einen lebendigen Eindruck bekommen hatte. Ich mußte dabei immer an den Abend im Scharfischen Hause in Breitenbach, dem wcltverlvrnen, tief in den Wäldern des Osthnrzes versteckten Dörfcheu, denke».