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Der Marquis von Marigny : eine Emigrantengeschichte : (Fortsetzung). 12
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Als er beim trüben Schein eines Talglichts den Koffer auspackte und seinen letzten Habseligkeiten in dem schmalen Gelasse ihren Platz anwies, fiel sein Blick auf die Ansicht des Schlosses zu Aigremont, die Margnerite während seiner Ab­wesenheit über dem schmalen Bette an die schmucklose getünchte Wand befestigt hatte. Er griff nach dem Leuchter und hielt ihn dicht unter das Bild.

Es hatte doch eine stattliche Front, dieses Schloß! sagte er nachdenklich. Ein- hundertuudachtzehn Pariser Ellen ohne den Seitenflügel — das will schon etwas heißen! Hier wohne ich nicht ganz so geräumig. Wenn ich die Arme klaftere, kann ich mich rechts und links an der Wand festhalten. Das hat bei meinen Jahren ja freilich auch etwas für sich.

Aber Marguerite hat ganz Recht: wenn man von seinem Enkel abhängig ist, muß man in seinen Ansprüchen so bescheiden wie möglich sein!

(Schluß folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Die Reichstagswahlcn in Elsaß-Lothriugen. Die Wahlergebnisse in Elsaß-Lothringen gehören in keiner Richtung zu den besonders in die Augen fallenden Erscheinnnc.cn. wie etwa die in Sachsen, sie verdienen aber nicht nnnder die Auf­merksamkeit aller, die sich nicht mit dem nackten Gegenwartsresnltat begnügen, sondern dieses ans der geschichtlichen Entwicklung zu verstehn und als vorübergehende die Keime der Zukuuft iu sich enthaltende Erscheinung zu deuten wünschen. Bei solcher Betrachtung gewinnt freilich manches ein andres Aussehen, und Zahlen, die nichts ungewöhnliches zu enthalten scheinen, beginnen plötzlich, eine ernste Sprache zu reden.

„Der Protest ist tot, das Protestlertum ist ausgestorben!" das war der ^ubelrnf, der schon gleich nach den Hauptwnhlen in einem sehr großen Teile der dentschen Presse erklang uud das wichtigste Ergebnis einer Gesamtbetrachtung der Wahlen auszudrücken 'schien Die Tatsache ist an sich ja unleugbar; sie ist aber zu selbst­verständlich, als daß man ihr eine große Bedentnng beizulegen berechtigt wäre. Das Protestlertum stirbt au Altersschwäche; es verschwindet, weil seine Träger, nämlich Leute, die zur Zeit des Krieges schon Männer waren, das Los aller Sterblichen teilen, abzutreten vom Kampfplatz oder wenigstens ermüdet die Waffen sinken zu lassen. Der Protest war seiner Natur uach notgedrungen an die Generationen geknüpft, deren jüngste zur Zeit der Losreißung eben zum Waffendienste reif ge­worden war; er mag sich in einzelnen Familien, in einzelnen Gemeinden aus Gründen besondrer, individueller Art noch weiter fortpflanzen, seine Bedeutung als Massenerscheiuuug mußte vou Jahr zu Jahr immer mehr verschwinden, und wenn jetzt kein Vertreter des Protestlertums mehr in den Reichstag einzieht, so ist das sehr erklärlich, wir möchten fast sagen selbstverständlich. Tot ist der Protest zwar noch nicht, aber er ist zu altersschwach, als daß er sich noch iu einer zu greifbaren Wahlerfolgen führeudeu Weise betätigen könnte. Er lebt noch und zeigt auch vou Zeit zu Zeit, daß er noch lebt, und die Regierung der Reichslnnde versäumt nicht, dein alten Herrn hin und wieder uuklugerweife einen Entrüstungsschrei abzupressen, wie z. B. jüngst, als sie dem französischen General Farny die Erlaubnis veringte, seinem in Straßburg wohnenden zweiundneunzigjährigen Vater einen -öesuch zu "lachen. Sie hat ihm diese Erlaubnis einige Wochen später doch gegebei^weil der alte Herr lebensgefährlich erkrankt war, aber sie hatte durch ihre vorherige Weigerung, die uatürlich in der Presse besprvcheu wurde, bewirkt, daß unter den Stimmzetteln für die Neichstagswahlen verschiedue waren, die den Namen des Generals Farnh trugen. Ob sich der Protest auch iu sozinldemokratischen Wahlzettelu kundgegeben hat? Nein, bei diesen Wahlen nicht mehr; der Protest wählt entweder klerikal