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Der Marquis von Marigny : eine Emigrantengeschichte : (Fortsetzung). 9
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Maßgebliches »nd Unmafigel'liches

Von nun an schenkte Marignh den einmarschierenden Truppen kaum noch Be­achtung, überwachte dafür aber um so gewissenhafter die Moselfahrzeuge, die unter­halb der Brücke anlegten. Und in der Tat brachten manche von ihnen Verwundete mit, wenn auch die meisten bis auf den letzten Platz mit den Leuten besetzt waren, deren Anwesenheit im Feldlager den Herzog von Braunschweig so erbittert hatte. Sie schienen unter den Strapazen der Kampagne auch am allerwenigsten gelitten zu haben und die Heimreise durch das liebliche Moseltal trotz der vorgerückten Jahreszeit mehr als eine Lnstfahrt zn betrachten. Hie nnd da konnte man an Bord der Kähne sogar ein Weinfäßchen bemerken, um dessen letzten Inhalt sich jetzt bei der Landung aufgeputzte, aber deshalb nicht minder tatkräftige Dämchen mit trunknen Livreebedienteu nnd fluchenden Packknechten stritten.

Wenn Kranke über die schmalen Stege ans Ufer geleitet oder getragen wurden, war Mariguh regelmäßig einer der Ersten, der sich erbot, sie mit Speise und Trank zu stärken und ihnen mit kleinen Dienstleistungen an die Hand zu geh».

Und alle nahmen die Hilfe des alten Mannes dankbar an, nur einer, der den rechten Arm in der Binde trug, wies, als ihm Marignh beim Aussteigeu behilflich sein wollte, mit der gesunden Hand nach dem Stern des Schiffes und sagte kühl:

Ich bin Ihnen für Ihre Güte verbunden, mein Herr. Aber dort liegt jemand, der Ihrer Unterstützung mehr bedarf als ich. Bei dem dort sind Scimariterdienstc am Platze.

Dann schleuderte er seinen Mantelsack aus Ufer und sprang selbst hinterher. Der Marquis schritt über den Steg und richtete mit Hilfe des Schiffsknechts den Kranken, der setner Sorge empfohlen worden war, auf. Es war ein Gendarm, der mit einer schweren Blessur an der Schulter im heftigsten Wundfieber lag und von einer Ohnmacht in die andre fiel. Man brachte ihn ins Lazarett, wo er trotz der sorgsamsten Pflege, die ihm Marignh angedeihen ließ, nach einigen Tagen starb. Der arme Teufel wußte in lichten Augenblicken nicht genug die liebevolle Auf­merksamkeit zu rühmen, mit der sich unterwegs ein an der Hand verwundeter Kavalier seiner angenommen habe, uud sagte kurz vor seinem Tode: Ich hatte das seltsame Glück, den beiden besten Menschen auf der ganzen Welt begegnet zu seiu. Der eiue ist der Artoisgardist, und der andre sind Sie, mein Herr. Möchte der gütige Himmel Sie beide zusammenführen und jeden von Ihnen mit der Freund-

Wählerbeklemmungen. Von Kaiser Wilhelm wird erzählt, er hätte eine» der Ritter vom Geiste, die ihm Stoff und Antrieb geben für seine Grundsatzsignale, gelegentlich gefragt:Können Sie sich Friedrich den Großen mit einem Parla­mente regierend denken?"Ebensowenig als Ew. Majestät ohne Parlament," lautete die schlagfertige Antwort. Gewiß, das leuchtet ein. Seit der Proklamierung der sogenannte« allgemeinen Menschenrechte sind Parlamente ein notwendiges Glied in einem geordneten Staatsweseu, gewissermaßen Sicherheitsventile, die Explosionen verhindern und die Überschau der verwickelten Verhältnisse des modernen Staats- lebens ermöglichen. Sie hemmen und sie fördern, je nachdem. In Zeiten natio­naler Erhebung, wenn große Ziele die anseinanderstrebenden Kräfte zn einheitlicher Wirkung binden, erblüht in ihnen das Selbstgefühl des Staats eindrucksvoll, zwingend, überwältigend. In dem Gleichmaß der Tage, wo jeder Zeit hat, darauf zu achten, wo ihn der Schnh drückt, sind sie ein Barometer für den Niedergang

schaft des andern belohnen!

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches