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Die mittelalterliche Religionsanschauung und ihre Beziehungen zur Gegenwart
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Das französische Bayreuth

Alleinherrschende werden, weil die beiden strittigen Ansichten einander beständig bekämpfen. Unanfhörlich wird die Menschheit hin- und hergewvrfen zwischen den beiden Extremen: Weltverachtung und Verweltlichnng, Gehorsam und Auf­lehnung gegen die Kirche. Dieses unruhige Hin- uud Herschwanken ist eben ein kennzeichnendes Merkmal des Mittelnlters. Die Menschheit gibt sich bald der zügellosesten Sinnlichkeit hin, bald wieder tut sie schwere Buße, und der Übergang aus einen: Extrem ins andre geschieht oft ganz unvermittelt. Einmal hält der Kaiser dem Papste den Steigbügel, bald darauf zieht er das Schwert, um ihn zu verjageu. ^5 ^g.)

Das französische Vayreuth

und die klassischen Festvorstellungen im römischen Theater

von Schoen in Aix - Marseille

> n ihrer Eigentümlichkeit und literarischen Bedeutung ist die Stadt Orange eine in Frankreich einzig dastehende Kunststätte. Alles scheint sich hier zu verbinden, aus der altberühmten Ortschaft einen Sammel- und Mittelpnnkt aller Verehrer der antiken Kunst nnd Poesie, aller Liebhaber der languo ck'oo und der provenzalischen Literatur zu macheu. Keiue südfrauzösische Stadt hat bedeutendere Denkmäler der römischen Baukunst auszuweisen, als die Hauptstadt des frühern Fürsten­tums Orauieu, dessen Name uoch in dem großen preußischen Königstitel er­wähnt wird. Seit der furchtbaren Niederlage der Tentoneu in dieser Gegend hat fast jedes Jahrhundert in Orange seiue besondern Spuren zurückgelassen- Am Eingänge der Stadt erhebt sich der prächtig geschmückte Triumphbogen, der uns mit seiueu Trophäen und Gallierschlachtcu, mit seinen gefangnen Bar­baren und Gladiatorcnkümpfeu, mit seinen Speeren, Schilden, Dreizacken und Waffen aller Art Galliens Erobernng ins Gedächtnis zurückruft. Weiter zeigen uns die nenentdeckten Trümmer eines ungeheuern Zirkus, wie es die alten Römer verstauden haben, den unterdrückten Völkerschaften die gewünschten Belustigungen zu verschaffen. Die zahlreiche» Erinnerungen an den Grafen Naimbaud den Zweiten, der im Jahre 1099 vor Antiochin fiel, und an seiue gebildete Tochter, die die Hanptviertel wieder aufbauen ließ, führeu uns ins graue Mittelalter zurück. Die altehrlvürdige, im elften und zwölften Jahr­hundert erbaute Kathedrale mit ihrem stark beschädigten Portal zeugt von der Wut der Religionskriege, und hoch oben auf dem steilen Berge, der Orange beherrscht, beweisen die sogenannten ()rövo-(ü«nir")-Rinnen des Nassnuischen Schlosses, daß die Soldaten Ludwigs des Vierzehnten nicht nur in der Pfalz Verwüstungen angerichtet haben.

") Die Bewohner der Stadt Orange wollten durch diesen Namen ihre» Unwillen aus­drücken, als das großartige, von dem beliebten Moril! von Nassau erbaute Schloß auf Befehl des Roi-Lowit geschleift wurde.