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Der Marquis von Marigny : eine Emigrantengeschichte : (Fortsetzung). 4
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Ich hvffe das mich, wagte Marigny einzuwenden.

Sie hoffen? Herr! Wenn ich sage: ich fürchte, so habe ich meine guten Gründe. Verlangen Sie denn, daß Ihre Dcmoiselle Tochter ewig leben soll?

Das gerade nicht, gab Marigny lächelnd zurück, aber ich wäre schon zufrieden, wenn sie wenigstens wieder gesund würde —

Süperb! Gesund würdeI Bei einem solchen Fieber! Sie verlangen in der Tat viel, mein lieber Herr Marquis. Da kann ichs freilich Ihren Pariser Demo­kraten kaum verdenken, wenn sie niit Leuten Ihres Schlags kurzen Prozeß machen. Wieder gesund werden! Wirklich exzellent!

Man trat in das Krankenzimmer, und der Geheimderat nntersuchte Margucrite mit einer Sorgfalt, die in der Tat Anerkennung verdiente. Aber je länger er klopfte, horchte und fühlte, desto mehr verfinsterten sich seine Züge. Madame Hnß- lacher, die während der Untersuchung kein Auge von ihm gewandt hatte, verließ unter einem ziemlich nichtigen Vorwande das Gemach.

Hier ist irgend etwas nicht in Ordnung, sagte der Leibmedikus nach längerm stummem Kopfschüttelu. Die Krankheit nimmt keinen normalen Verlauf. Die Tem­peratur ist gesunken. Der Pnls ist weniger intermittierend. Ich glaube sogar eine Zunahme der Kräfte konstatieren zn müssen. Wenn hier nur kein schwerer Diät­fehler begangen worden ist!

Und als er sich dann nach einer Weile von Marigny verabschiedete, sagte er, als müsse er den Vater über die augenscheinlichen Anzeichen der beginnenden Ge­nesung trösten: Es ist nur das letzte Aufflackern eines verlöschenden Lttmpchens.

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Makedonien ist jetzt in aller Muude. Freilich würden König Philipp und Alexander der Große zwar Gebirge und Flüsse des schönen Landes wiedererkennen, cwer im Volke von der Art der alten Makedonier nichts mehr wiederfinden und über die heutige weite Ausdehnung des Namens vielleicht erstaunen. Denn die Grenzen der drei türkischen Statthalterschaften (Wilajets) Saloniki, Monastir und Kvssowo, die man jetzt oft unter dem antiken Namen zusammenfaßt, umschließen einen wesentlich größern Raum als das alte Königreich, und die Bevölkerung ist aus Serben, Bulgaren, Albanesen, Rumänen, Griechen und Türken so bunt gemischt, wie kaum in einer andern türkischen Provinz. Augenblicklich schwebt nun auch über diesem Gebiete die Frage, ob es nicht auch den Weg fast aller andern Provinzen der europäischen Türkei gehen soll, der Verwandlung in einen ganz oder halb un­abhängigen christlichen Staat, mindestens in eine autonome Provinz. Denn diesem Schicksal einer allmählichen Auflösung ist das osmcmische Reich in Europa schon seit dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts unzweifelhaft verfallen. Ungarn, Sieben­bürgen, Kroatien, Slawonien, Serbien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Bosnien, Kreta haben sich ans diese Weise abgelöst, allerdings niemals ganz aus eigner Kraft, sondern immer unterstützt oder auch geradezu erobert von den interessierten Großmächten. Heute ist die unmittelbare Herrschaft des Sultans in Europa auf einen nicht so sehr breiten Ländergürtel vom Adriatischen bis zum Schwarzen Meere beschränkt, auf Albanien, Makedonien und Thrakien, nnd man kann erwarten, daß das zwanzigste Jahrhundert das Werk des neunzehnten fortsetzen wird.

Eine solche Rückbildung der osmcmischen Machtentwicklung bedeutet allerdings «och keineswegs das Ende des Reichs. Es ist sehr wohl denkbar, daß es sich in Grenzboten II 1903 L8