Beitrag 
Die Medici bis zum Tode Lorenzos des Prächtigen (1492) : (Schluß)
Seite
657
Einzelbild herunterladen
 

Line Übersiedlung vor hundert Jahren

657

bauen ließ; es war 1488 fertig und stand bis zum Jahre 1529, in dessen Stürmen es spurlos zu Grunde ging. Der gute Fra Mariano,war nur ein schwaches Licht gegen den Feuergeist Snvvnarolci, dem das Volk wie besessen zulief, und während seine Brandreden das Haus der Medici umzüngelten, mnßte Lorenzo noch erleben, daß die Dominikaner von S. Marev ihn zu ihrem Prior wühlten (1491).

Der Magnifico war erst 42 Jahre alt, aber er lag meistens krank mit vielen Schmerzen danieder, denn seine Kräfte waren vor der Zeit aufgebraucht. Ein Jahr noch, da trat ungerufen in die Tür seines Sterbezimmers die hagere Gestalt des Bußpredigcrs zu einer Unterredung, die die Umstehenden undeutlich horten, und die nicht sehr lauge gewährt hat. Sie soll von dem Blute der Volterrcmer und der Pazzi gehandelt haben, von den angegriffnen Mitgiftgelderu und der den Florentinern geuommueu Freiheit, aber die Be­richte, die von beiden Seiten kommen, weichen über das Einzelne ab, und fest steht nur, was wir uns ohnehin sagen können, daß die zwei nicht einig geworden sind.

In ziemlich scharfen Umrissen mag das Bild der allernächsten Zukunft vor den tiefliegenden Augen des glaubeusstnrteu Mönchs gestanden haben, während Lorenzo nur das eine sicher wußte, daß die Florentiner seinem Erst­gebornen die Nachfolge zugesagt hatten, und daß der Papst uud Ferrantc von Neapel und sogar der Moro dafür gut standen. Piero war ein Sport­jüngling mit Riesenkräften, aber povo eorveUo. Zwar war er auch geistig von Poliziauo musterhaft erzogen und in eleganter Nede und Versen gleich gewandt, aber er war aufgeblasen und hochfahrend uud hatte kein größeres Verlangen als nach dem Fürstentitel. Was ließ sich da erwarten in dieser unheimlich nugewissen Zeit, wo rings am Himmel die Wolken bedrohlich auf- stiegen? Angstvoll hatte mau dem Tode Lorenzos entgegengesehen, nnter Ahnungeil uud wunderbaren Vorzeichen: der Blitz schlug in die höchste Spitze des Doms, und im Löwenzwinger hinter dem Palazzo Vecchio wurden die Bestien wild uud zerfleischten sich. Nuu, da er verschieden war, hatte man das deutliche Gefühl, daß dieser Tod das Ende eines großen Glücks sei.

(Line Übersiedlung vor hundert Iahren

er durch seinen Lebensbcruf zu häufigen und weiten Reisen ge­nötigt ist und bei diesen Reisen all die herrlichen Vcrkehrs- eiurichtuugen der Neuzeit, die alle Länder nnd Gegenden ver­bindenden Schienenstraßen, die mit Blitzeseile dahinbrnuscndcn ! Schnellzüge, die Einrichtung der durchgcheudeu Wagen, der Restaurntions- und Schlafwagen hat kennen und schätzen lernen, der wird sich wohl kaum eiue Vorstellung machen können von der umständlichen, unbequemen und kostspielige»! Art, wie solche größere Neiseu uoch am Anfang des vorigen

^M^A