Der Marquis von Marigny
Eine Lmigrcmtengeschichte von Julius R. l^aarhaus (Fortsetzung)
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m nächsten Mvrgen erhob sich der Marquis nicht gerade in rosiger Laune von seinem Lager. Er hatte schlecht geschlafen, noch schlechter als die Nacht zuvor in dein schmalen und harten Gasthvfsbett des Kronenwirts, denn die Ruhestatt, die ihm Mutter Haßlacher in einer der engen und dunkeln Kammern neben dem „Atelier" ihres Seligen aufgeschlagen hatte, ließ so ziemlich alles zn wünschen übrig. Überdies war Marigny noch am Abend zu der Erkenntnis gelangt, das; die Küchen- Verhältnisse in seinem Quartier noch weit trostloser waren, als er nach dem von uns zn Protokoll genommenen Zwiegespräch mit der Alten gefürchtet hatte, und daß man hier in Koblenz die allerein fachsten der ins kulinarische Fach einschlagenden Dinge nicht nur nicht hatte, sondern nicht einmal kannte. Ein paar Töpfe, eine Bratpfanne, ein Schanmlöffcl, ein Quirl nnd ein Reibeisen — dos war das ganze Handwerkszeug, mit dem die Küche versehen war, während die Vorräte der Wittib alles in allem aus einigen Pfunden Mehl, ein paar Händen voll groben Salzes, einigen Eiern, einem Töpfchen Butter nnd etlichen gedörrten Zwetschen bestanden.
Die Fleischer hatten schon ausverkauft gehabt und schlachteten erst wieder am kommenden Mittwoch, den Salmfischern war wegen des niedrigen Wasserstandes nicht einmal der erbärmlichste Weißfisch ins Netz gegangen. Da hatte der Marquis denn mit dem Vorhnndnen vorlicb nehmen müssen und unter Mntter Hnßlnchers staunenden Augen eine Omelette hergestellt, wie sie dem großen Montier, dein Leibknchenchef des Königs, unter so erschwerenden Umständen sicherlich kanm besser gelungen wäre. Aber das Bewußtsein, daß seinem Genius die Schwingen gelähmt waren, lastete wie ein Alp ans Mnrignys Brust und ließ ihn in der Nacht keine Ruhe und Erqnickung finden. Er gehörte zu den Menschen, die unter den kleinen Unbequemlichkeiten und Sorgen des Lebens empfindlicher zu leiden haben als niller wirklichen Schicksalsschlägen, wie er denn auch, wenn von dem Unglück andrer die Rede war, dessen nebensächliche Erscheiuungeu lebhafter empfand und aufrichtiger' beklagte, als das Unglück selbst. Im übrigen ging ihm nichts, was ihn nicht persönlich betraf, allzn nahe, und er war geneigt, sich mit dem Gedanken zn beruhige», daß alles auf dieser Welt endlich doch einen erfrcnlichen Ausgmig nehmen müsse.
Neben den trübe» Erwägnngeu, wie sie sich für ihn aus dem gänzlichen Mangel an Tiegeln, Kesseln, Kasserollen, Assietten und Pastetenformen ergaben, hatte den Marquis noch ein andrer Gedanke beschäftigt, die Frage nämlich, weshalb sich Henri von Villeroi, der seinen Besuch für diesen Morgen angekündigt hatte, schon so bald in Koblenz eingcfunden habe. Villeroi war einer von Ma- rignys Gutsnachbarn, wenn man seine Paar armseligen Felder, das Stückchen Wcilv und das Jagdhäuscheu, die letzten Reste eines ehemals sehr ansehnlichen Besitzes, überhaupt noch als Gut bezeichnen durfte. Aus seiner Laufbahn als Offizier beim Regiment Flandern durch den Zwist mit einem Vorgesetzten herausgerissen, hatte sich der junge Edelmann gleich seinem väterlichen Freunde aus der geräuschvollen