INnsjgMiches und Unniaßgebliches
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Marigny griff in die Tasche und händigte der Alten eine Münze ein. Er sah nicht, wie seine Tochter mit einer ihr scmst fremden Hast das Siegel erbrach, das Papier auseinanderfaltete und die Schrift überflog. Er sah auch nicht, wie sich ihre Wnugen röteten.
Von wem? fragte er, als die Wittib das Gemach wieder verlassen hatte.
Von Villeroi.
Und was schreibt er?
Hier, Vater, lesen Sie selbst! Sie gab ihm den Brief uud trat an das Fenster. Es war, als habe sie eine innere Erregung vor dein Vater verbergen wollen.
Dieser ließ sich auf einem Stuhle nieder, putzte erst sorgfältig das Licht und ins dann:
Meine Freundin! Soeben bin ich hier angekommen und war so glücklich, im Gasthofe Ihre Adresse zu erfahren. Morgen früh werde ich mir die Freiheit "ehmen, Ihnen und Ihrem Herrn Vater meine Aufwartung zu machen.
Henri von Villeroi.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Der Kaiser im Vatikan. Wie man aus dcu ausführlichen Berichten italienischer glätter ersehen kann, hat der Besuch des Kaisers im Vatikan am Z. Mai iu Rom e» tiefsten Eindruck gemacht. Schon die Pracht des kaiserlichen Aufzugs von der preußischen Gesandtschaft im Palazzo Odescalchi aus, die von dem bescheidnen Äusseren König Eduards des Siebenten sehr abstach, war ungewöhnlich. „Ein neuer ^arl dxr Große schien vom päpstlichen Rom Besitz zu ergreifen." „Gerade dadurch Wilhelm der Zweite gezeigt, welche tiefe Kenntnis er von der Stimmung im ^atikan hat, der für diese außerordentlichen Kundgebungen sehr empfänglich ist." »bei ist nnsers Erachtens zweierlei noch besonders bemerkenswert. Der Kaiser nicht nnr als Oberhaupt Deutschlands, sondern auch als Schirmherr aller putschen Katholiken. Das zeigten eine große Schar rheinischer Pilger, die ihn ^ putschen Bannern und Abzeichen vor der kleinen Kirche Santa Marta beim deutschen Friedhofe (dem uralten Camposanto) an der Südseite der Peterskirche niter den Klängen des „Heil dir im Siegerkrauz" jubelnd begrüßten, und der Empfang durch fünf reichsdeutsche zur Zeit in Rom anwesende Bischöfe im Vatikan, °enen sich der Rektor der doch unter österreichischem Protektorat stehenden deutschen ^"°ualstiftung Santa Maria dell' Anima angeschlossen hatte. Sodnnn markierte °as Königreich Italien bei dieser Gelegenheit wieder sehr energisch, daß Rom seine >i ^ obwohl der Kaiser im eignen Wagen fuhr, so bildete» doch
«s dem ganzen Weg italienische Truppen Spalier, uud königliche Carabinieri bereiteten den Zug bis au die Pfvrteu des Vatikans. So war gerade dieser Aufzug »eignet, Rom und der Welt, besonders auch den deutschen Pilgern zu zeigen, daß ^"uen einerseits seiu Recht auf Rom unerschütterlich festhält, andrerseits dem Papste ,r Freiheit des Verkehrs auch mit auswärtigen Fürsten nnd Pilgern läßt, vak also die Gefangenschaft nichts ist als eine durchsichtige Fiktion. Indem ihm der Datier eine neue Gelegenheit gab, diesen Beweis zu führe», hat er zugleich dem ngvefreundeten Königreich Italien und dem Vatikan einen wahren Dienst erwiesen, "'»n praktisch müssen sich beide eben doch vertrage».