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Leipziger Dramaturgie : 1. Maria Stuart
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Stelle erinnern zu können, und da es in derselben Nummer noch viel darüber zu lesen gab, was der Kaiser gesagt und nicht gesagt hätte, und was er hätte sagen könuen, und was er nach des Blattes Ansicht hätte sagen sollen, so blieben die Zander und die Hasen in der Luft schweben. Erst am darauffolgeuden Tage erfuhr man, daß au der Stelle, wo gelacht worden war, nicht von Zauderu und Hasen, fondern von Hemden und Höfen die Rede gewesen sei. Man hätte es ge­trost bei den Zandern und Hasen bewenden lassen können, sie wären mitsamt der Wildente in eiliger Fahrt dem Meere der Vergessenheit zugeschwommen.

Daß in einem solchen milieu auch Vortrag uud Bewegungen des liebenden Helden hastig und kraftwagenartig werden, ist menschlich. Wenn Herr K. und Madame P. nicht mit der Hetzpeitsche uud dem rastlosen hussa! hussa! hinter ihm her wären, könnte er ab und zu Atem holen uud das Register wechseln. Zu beidem hat er, wie jetzt die Dinge liegen, keine Zeit, und man wuudert sich nur, daß Maria nicht schon im ersten Aufzug deu Hilfeschrei des dritten ausstößt:

O Hanna, rette mich aus seinen Handen, deuu wie eiu guter, vertrauenerweckender Jüngling, zu dem eine Frau ihr Häuschen baue» könnte, sieht der Mortimer des Leipziger Stadttheaters schon bei den Worten: ^.^ Furcht, Mvlady, Lernt mich kennen,

in keiner Weise aus, eher wie jemand, bei dem, wie in Privatasylen,stete schonende Aufsicht" am Platze wäre. (Schluß folgt)

Der Marquis von Marigny

Line Gmigrantengeschichte von Julius R. Ljaarhans 1

ie Sonne hatte sich daran gewöhnt, alljährlich gegen Ende Oktober, ehe sie hinter den Türmen von St. Florin zur Rüste ging, noch einen Blick in das einzige, aber desto geräumigere Mansardenzimmer des HausesZum englischen Gruß" au der Korupforte zu tun uud die kahlen, getünchten Wände für einen Augenblick in eitel Abend­röte zu verwandeln. Sie wußte, weshalb sie das tat, denn die schönen goldgelben Borsdorfer Renetten, die langen grünen Schlvtteräpfel und die wnchsfarbuen Kalvillen mit den roten Väckchen, die jahraus jahrein dort oben in dem stillen Gemach ans ihrer StrvMMte lagen, hatte sie von Jugend auf gekannt und ihr Wachsen und Ge­deihen draußen im Garten vor dem Löhrtore mit besonders liebevoller Teilnahme ^erfolgt. So köstliche Äpfel wie Mutter Haßlacher, der das HausZum englischen Gruß" und der Garten hinter den Wällen gehörten, hatte in Koblenz aber auch rem andrer Mensch, und wenn der Kurfürst einmal Gäste bei sich sah, bei denen er mit den Erzeuguissen seiues Landes Ehre einlegen wollte, etwa die Durchlauchten von Köln und von Mainz oder die hochfürstlichen Verwandten aus Sachsen, dann schickte er seinen Obertafeldccker zu der rundliche» freundlichen Wittib an der Kornpforte, um Wh gi!gen seinen gnädigen landesväterlichen Dank und ein Doueeur von zwei neuen Gulden ein Körbchen der schönsten Renetten auszubitten. Keiu Wuuder also, daß dle Besitzer der Nachbargärteu mit einem aus Neid und Ehrfurcht gemischten Ge­fühl über ihre Heckeil uud Zäune weg zu deu sorgfältig gepflegten und kunstgerecht beschnittnen Bäumen und Spalieren hinübersahen und in jedem Januar die Frau Nachbarin um etliche Pfropfreiser angingen, in der stillen Hoffnung, sich auch ihrer­seits so wertvolle Fürsprecher bei Hofe heranziehn zu köuuen. Diese Hoffnung ging