Gibraltar und Marokko
441
Partei, die unsrer Staatsverfassung feindlich gegenüberstehn, Nieder cils Deutsche noch als Christen fühlen und trvtzdem einen von Jahr zu Jahr steigenden Terrorismus im Reichstage selbst ausübein
Gibraltar und Marokko
von Otto Schulz, Hanptmann und Uompagniechef im r. b. ^. Inf.-Rgt,
ie marokkanischen Wirren haben unsern Blick auf ein Laud gelenkt, wo, obwohl es eines der gesundesten und fruchtbarsten der Erde ist, eine jahrhundertelange Mißregicrnng einen nennenswerten Kulturfortschritt und Aufschwung verhindert hat. Wenn nun auch die „marokkanische Frage" langsam und unaufhaltsam ihrer Losung entgegentreibt, so ist sie doch bisher ungelöst geblieben wegen der Eifersucht der an ihr am meisten interessierten Staaten untereinander.
Das am nächsten liegende Spanien, das nach und nach immer größern Einfluß in Nordafrika und im Mittelmeer gewinnende Frankreich nnd vor allem das schon das eine Ufer der Meerenge von Gibraltar und damit die ganze so wichtige Handelsstraße beherrschende England lauern ans den Augenblick, wo ihnen ein glücklicher Zufall erlaubt, die reifende Frucht zn pflücken, das heißt das xrotsotor^t- clu N^roo zu erwerben. Aber cmch ferner liegende Staaten haben hier wichtige Interessen zu vertreten. Italien nimmt von Jahr Zu Jahr größeru Anteil an allen Vorgängen, die das Mittelmeer und die afrikanische Küste betreffeu und dort eine Änderung im Besitzstände hervorrufen kannten. Und nicht zum mindesten hat Deutschland, das mit Marokko in sehr ^'haften Handelsbeziehungen steht und hierin nnr noch von England über- twffen wird, ein großes Interesse an dem Schicksale dieses Landes.
Man möchte nun vielleicht glauben, daß England als Besitzer des nn- wmehmbar genannten Gibraltars ohne Gefahr auf weitere Stützpunkte oder Leitern Laudbesitz an der Meerenge von Gibraltar verzichten könnte. Das ist uun aber doch nicht der Fall; denn zunächst hat Gibraltar selbst nicht mehr die offensive und defensive Stärke wie früher, sodann vermag Gibraltar nur Klänge England die Herrschaft über die Meerenge zu sichern, als nicht am asnl'anischen Ufer eine Position von gleicher Bedeutung in der Hand einer andern Großmacht ist. Das haben mich die Engländer erkannt. Deshalb haben sie sich schon seit langer Zeit mit der Frage beschäftigt, wie Englands Position an der Meerenge verstärkt werden könnte.
Die strategische Bedeutung Gibraltars besteht zunächst darin, daß es der Hauptstützpunkt für das euglische Mittelmeergeschwader ist. Zu diesem Zweck O seiu Hafen zu einem vorzüglich eingerichteten Kriegshafen allsgebaut und schlich mit Arsenalen, Docks, Kohlenvvrräten und andern: Material sowohl Aur Erhöhung wie zur Wiederherstellung der Gefechtskraft der Kriegsschiffe ausgestattet worden. Infolge seiner Lage an der Grenze des Atlantischen Ozeans und des Mittelländischen Meeres kann es auch von Schiffen, die sich