Der deutsche evangelische Kirchenbund
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e näher die Möglichkeit rückt, daß die evangelischen Landeskirchen des Dentschen Reichs irgend welche gemeinsame Organisation erhalten, desto heftiger und lauter erhebt sich dagegen von mancher Seite der Widerspruch. Besonders nachdrücklich hat jetzt der Vorstand der kirchlichen Landeskonferenz für die beiden Groß- herzogtümer Mecklenburg seinen ablehnenden Standpunkt in einstimmigem Beschluß erklärt und begründet. Es lohnt darauf näher einzugehn, weil diese Erklärung alles wesentliche zusammenfaßt, was sich gegen den Plan sagen läßt.
Die Mecklenburger fürchten vor allem eine Gefährdung „der geschichtlich gewvrdnen Selbständigkeit und Eigenart der einzelnen Landeskirchen." Nun, was geschichtlich geworden ist, das kann auch geschichtlich wieder anders werden. Die romische Kirche ist klüger; sie beruft sich, gleichviel mit welchem Recht, für ihre im Papsttum gipfelnde Verfassung uicht auf die historische Entwicklung, sondern auf den Auftrag Christi an Petrus, dessen majestätische Worte iu goldnen Riesenlettern in der Peterskuppel prangen: 'lu «z« ?6trus et suxsr Imne xgtram asältio^bo «zoolösmlli ingiu-r st Mi cla-do «Iavs8 rsZui ooslorum; sie rückt sie damit für jeden, der an diese ausschließliche Vollmacht für den „Fürsten der Apostel" glaubt, ans aller Debatte, als eine göttliche, in der Heiligen Schrift begründete Institution, die zwar zeitlichen Wandlungen im einzelnen unterworfen ist, aber in ihrem Kerne, dem Primat des Bischofs von Rom als des Nachfolgers Pctri und des Stellvertreters Christi, unanfechtbar dasteht. Die Verfassung und der Bestand der evangelischen Landeskirchen in Deutschland kann sich auf kein Wort der Heiligen Schrift berufen; sie sind, wie sie heute sind, in der Tat durchaus das Ergebnis einer ganz bestimmten, geschichtlichen Entwicklungsstufe, die im allgemeinen großenteils längst überwunden ist; sie sind sogar aus einem Notstande hervorgegangen. Was Luther anfangs wollte, das war bekanntlich die deutsche Natioualkirche nnter dem Regiment der deutscheu Bischöfe und unter der Ehrenvorstandschaft des Papstes. Erst als sich die Bischöfe seiner Reformation versagten, und die Reichsgcwalt im Bunde mit dem Papsttum ihn ausstieß, als dann sich sein erster Versuch, die Kirche auf die Gemeinde zu gründen, als unausführbar erwiesen
Wrcipboten II 1903 41