Katholisch und Römisch
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louston Stewart Chamberlain tritt im Vorwort der vierten Auflage seiner „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" mit einer weitern Erörterung für deu in seinem Werke ausgeführten Satz ein, daß zwischen „Katholisch" uud „Römisch" zu uuter- I scheiden sei, daß diese Unterscheidung in den Gemütern vieler Millionen Katholiken tatsächlich — wenn auch vielfach unbewußt — vorhanden und geradezu grundlegend sei für alles Verständnis der Vergangenheit und der Gegenwart, besonders aber für jede Anbahnung einer des Zieles bewußten Beeinflussung der Zukunft, Rom allerdings und seine Parteigänger legten großen Wert darauf, das klare Bewußtsein dieser Unterscheidung nicht aufkommen zu lassen, zumal gegenwärtig, wo das rein politische „Römische" in angeblicher Wahrung der rein religiösen Interessen des „Katholischen" die ganze zivilisierte Welt aufrühre uud iu allen Ländern uud Stünden Be- unruhiguug verbreite. Noch im Jahre 1870 habe die Mehrzahl der deutscheu Bischöfe „katholisch" gestimmt gegen das römische Programm und sich erst unter dem Druck eiuer moralischen Folter unterworfen. Aber es sei noch nicht gelungen, das Heer der Weltpriester in demselben Maße wie die Bischöfe zu unterwerfen und zu blind gehorsamen Agenten der Generalgewalt umzumodeln. Als Mittel zur Erreichuug dieses Zwecks aber wende Rom jetzt die Überflutung der Welt mit Orden an. Dadurch werde die nationale Weltgeistlichkeit nach und nach ausgeschaltet, und so würden allerdings mit der Zeit „Katholisch" und „Römisch" identische Begriffe. Denn jedes Ordensmitglied sei ein Soldat Roms, sein Vaterland sei ausschließlich die Kirche; jede Ordensniederlassung sei eine gegen den Staat aufgerichtete politische Agentur, und so erlebten wir heute nicht nur einen Kampf Roms gegen den Protestantismus, soudern die geradlinige Fortsetzung des Kampfes Roms gegen den Katholizismus, der sofort begonnen habe, als die Jesuiten die Macht ergriffen hätten.
Chamberlain hat, wie er versichert, jede Gelegenheit benutzt, mit Katholiken über diese Dinge zu reden, und wie es scheint, auch manchmal mit alten Pfarrern gemütlich bei der Flasche Wein verkehrt. Aber auf diese Art konnte er deu Katholizismus doch nur vou außen her kennen lernen - die »»bedingte lind Grenzboten II. 1903 W