Allerhand Hprachdummheiten
i ugleich mit diesem Grenzbotenheft geht eine neue Ausgabe von Wustmanns nun schon in weiten Kreisen bekannt und berühmt gewordncm Buch iu die Welt. WMommuer als irgend eine andre Anzeige wird es gerade an dieser Stelle sein, wenn sein Ver- I leger ihn selbst sprechen läßt, das heißt das Vorwort abdruckt, das er dieser neuen Auflage zum Geleit gibt. Wustmann sagt über sein Buch:
Die Aufforderung des Verlegers, diese dritte Auflage zu besorgen, hat mich ganz unvorbereitet getroffen. Ich hatte über andern, namentlich stadtgeschichtlichen Arbeiten die „Sprnchdummheiten" so vollständig aus deu Augeu vcrloreu, daß es in den letzten Jahren ei» paarmal vorgekommen ist, daß ich mir ans einer bekannten Sprachzeitschrift Belehrungen notiert habe, die mir durch ihre überzeugende .Klarheit und Sicherheit angenehm auffielen, und die, wie ich nun nachträglich bei dem Druck dieser dritten Auflage geseheu habe, einfach aus meinen „Sprachdummhciten" abgeschrieben waren!
Dennoch habe ich die Weiterentwicklung unsrer Sprache immer aufmerksam verfolgt. Kommen mir doch täglich so viel neue Bücher und Zeitschriften unter die Hände, daß ich das gar nicht vermeiden kaun. Freilich ist, was ich dabei gesehen habe, nicht sehr erquicklich gewesen. Mein Bnch hat zwar großen äußern Erfolg gehabt, aber doch eigentlich wenig genützt. Viele von denen, iu deren Hände es gekommen ist, haben es als Nachschlagebuch angesehen, als eine Art von „Duden" für Grammatik und Stilistik. Ein solches Buch läßt sich aber überhaupt nicht schreiben. Die „Sprachdummheiteu" sind kein Sprachknecht, der auf jede grammatische oder stilistische Frage die gewünschte Antwort bereit hat, sondern ein Buch für denkende Leser, das im Znsammenhange studiert uud gehörig verarbeitet sein will. Wer Nutzen davon haben will, muß sich den Geist des Buches zu eigen machen. Gewiß soll es auch der herrschenden Fehlerhaftigkeit und Unsicherheit unsers Sprachgebrauchs steuern, uud zu diesem Zweck hat der Verleger die vorliegende dritte Auflage mit eiuem ausgezeichneten, bis ins Einzclste gehendeu alphabetischen Register versehen; aber vor allem soll es doch das Sprachgefühl schärfen und dadurch das Aufkommen neuer Fehler verhüten, und seine Hauptaufgabe ist eine ästhetische: es soll der immer ärger werdenden Steifheit, Schwerfälligkeit und Schwülstigkeit unsrer Sprache entgegenarbeiten und ihr wieder zu einer gewissen Einfachheit