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Die politische Zukunft der amerikanischen Staatenwelt
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Die politische Zukunft der amerikanischen ^»taatenwelt

nscr Zwischenfall ,nit Venezuela hat die ominöse Monroedoktrin Iviedcr in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt, nachdem wir über den langwierigen Zolltarifverhandlungen ganz vergessen zn haben schienen, daß außer uns noch andre Menschen auf dieser jetzt fast zu klein gewordnen Erde wohnen. Die Welt­geschichte hat aber doch nur zu oft gezeigt, daß sich nichts bittrer rücht, als wenn ein Staat vor drohenden Gefahren die Augeu verschließt, anstatt bei­zeiten Vorkehrungen zu treffen, das unabwendbar Scheinende zu bekämpfen. Daß aber die Monroedoktrin die größte Geführdung unsrer Weltpolitik in sich schließt, wer ivill das heute noch bestreiken? Daß die in ihrer Mehrzahl nnglo-saxonischen und protestantischen Nordamerikaner über die lateinischen und ganz katholischen Republiken des gesainten übrigen Amerikas eine natürliche Vormundschaft beanspruchen, die jede europäische Beteiligung ausschließt, mag uach allen Rcchtsbcgriffen utopisch erscheinen, aber in der Welt der Tatsachen ist diese jedes Rechtstitels entbehrende Machtfrage nun einmal vorhanden, und selbst das schöne Haager Schiedsgericht kann nichts mehr daran ändern. Uns w,rd also in absehbarer Zeit nichts andres übrig bleiben, als uus entweder bescheiden zurückzuziehn uud auf jede Kolonialpolitik in Amerika für immer verzicht zu leisten, oder durch eine bewußt geführte Politik, die den Krieg wenn irgend möglich zu vermeiden sncht, aber nicht vor ihm zurückschreckt, die Vereinigten Staaten von Amerika zu zwingen, daß sie die Monroedoktrin nur "uf einen Teil ihres Kontinents anwenden und uns nichts in den Weg legen, um den andern Teil so in unsre Interessensphäre zu ziehn, wie es uns '""chlich und notwendig erscheint.

Ich glaube, man kommt am leichtesten dazu, sich ein klares Bild von der '"»glichen Entwicklung der ameriknuischeu Staaten zu machen, wenn man zu- "ächst cmuimmt, daß sich Europa tatsächlich hiufort aller Einmischung enthalten und der Union ganz die amerikanische Welt überlassen wollte.

Die Nvrdamcritaner werden die ihnen geographisch am nächsten liegenden Zander mit der langsam aber sicher wirkenden Macht einer Naturkraft mit chrcm Staate vereinigen, ohne daß deswegen irgendwelche Verwicklungen mit

Grcnzboten II 1903 24