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Deutschland vor der Reichstagswahl
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124 Bewußtes und unbewußtes Streben im staatlichen Leben des Reichslcindes

Möge sich diese Erkenntnis endlich im Zieutrnm, namentlich im preußischen Zentrnm, verallgcmeincru, nn tüchtigen Männern, die innerlich längst ans diesem Standpunkt stehn, sehlt es nicht. Dann wird endlich auch in Deutsch­land die Zeit heraubrechen, Um weniger geredet und mehr gehandelt wird. Nehmen wir uns die Engländer in der Kunst des politischen Schweigens und dabei kräftigen, klare» Haudelus zum Vorbild. Sie sind uns ohnehin weit voraus, weil sie nach großen, festen Zielen streben, und weil, von den Iren abgesehen, alle Parteien von einem starken Gefühl für die Macht und die Größe des Landes beseelt sind. Nur in diesem Vorbilde wird unser Volk zu politischer Reife, nur so zu fernen Zielen gelangen nnd nicht von einer Gesetz- gcbnngsperiode zur andern aus der Hand in den Mnnd leben, während es die reichen Früchte einer großen opfervolleu Zeit iu innerm Hader vergeudet. ^ , Es gibt ernste Patrioten gcnng, die in der Ansicht verharren, daß das Zentrum iu den Anfängen des Kulturkampfs den bissigen Köter Sozial­demokratie auf den Staat losgelassen habe, das Zentrum oder die hinter ihm stehenden Kräfte. Richtig ist, daß Bebel und Hasenelever aus katholischen Schichten hervorgegangen sind, nnd daß beide Parteien bis in die neueste Zeit sorglich vermieden haben, einander wehe zn tun. Jede war der andern sicher. Erst seit dem Zolltarif ist in diesen Zweibund ein Riß gekommen. Die weitere Eutwickluug liegt bei der Stelluug, die das Zentrum iu den Wahlen nehmen wird. Unterstützt es ehrlich jeden aiitisozialdenuikratischen.Kandidateii, der die meisten Stimmen ans sich vereinigt, so bekundet es damit, daß es fest ans dem Boden unsers nationalen Staates steht, uud es hat vollen Anspruch auf die Gegenleistung der andern Parteien. Nnr so werden wir wieder zu vollem Frieden gelangen. Der Zcntrumswähler darf nicht mehr den svzinldcmokratischen Kandidaten als das kleinere von zwei Übeln bevorzugen, der liberale Wähler nicht den Gefolgsmann Bebels vor dem Zentrumsmann. Erst wenn ein solches Gemciugcfühl, ein derartig ausgeprägter Staatssiu» die Mehrheit der Wähler erfüllt, werden wir auch im Reichstage wieder vorwärts komme». ^

Bewußtes und unbewußtes Streben im staatlichen Leben

des Reichslandes

ie eiuzelue Meuscheu werden auch Volksmassen sichrer an einem Faden von Hoffnung als nn einem Seile von Dankbarkeit ge­leitet. Die Hoffnung des Neichslaudes, den Dittatnrparagraphen fallen zu sehen, ist erfüllt: es gilt also dort für staatliche Fort­schritte weitere Ziele anfzustcllen. Am schnellsten ist hierfür daS Zentrum auf den Plan getreten. Es sagt zn den Elsaß-Lothringern: Werdet nur rasch stramme Zentrnmsleute, so wird euch alles andre zufallen. Zentrum ist im innern deutschen Parteigetriebe Trumpf, nnd mit ihm muß jede Re­gierung rechne». Die Aussichten auf einen Zuwachs au Reichstagsmitgliedern aus dem Neichslande sind für das Zentrum nicht ungünstig, denn die Klerikalen