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anders sagen, als das; man in eine höhere Sphäre der Weltanschauung eintritt. Allerdings ist ja nenestens auch geäußert worden, das Blich Hiob enthalte Stellen, die an Blasphemie grenzten, wie ja Delitzsch in seinem voriges Jahr erschienenen Kommentar znm Buche Hiob in diesem das „Hohelied des Pessimismus" entdeckt hat. Aber die iu Frage kommenden Sätze der Hiob- dichtung sind vom Dichter nur als Dnrchgangspunkte in der Entwicklung seines Hauptheldeu, sozusagen als Schlacken gemeint, die bei einem Läuteruugs- Prozeß natürlicherweise ausgeschieden werden. Denn nm jetzt nur einen Beweis anzuführen, so weise ich auf folgendes hin: Während Gott im ersten Monolog des Hauptheldeu (3, 8—27) als Angeklagter behandelt wird, bekommt er iu deu folgenden Reden Hiobs immer mehr die Stellung der entscheidenden Instanz. Gott darf sich von der Anklagebank wieder erheben und darf auf deu Richtcrstuhl hinüberrücken. Auch das Hiobgedicht ist somit keineswegs geeignet, die geistesgeschichtliche Stellung der althebräischen Literatur hinab' zudrücken.
In dieser höhern Sphäre gegenüber dem babylonischen Schrifttum bewährt sich die althebrüische Literatur auch dadurch, daß sie den Keilschriften gegenüber zwei bedeutsame Plus enthält: die psychologisch so überaus feine Darstellung von der ersten Pietütsverletzung des Menschen (1. Mos. 3) nnd sodann die Reden der Sprecher (Propheten) Israels mit allen ihren ergreifenden Sätzen über das große Thema „Gott in der Weltgeschichte."
Aber ich lege hier, allerdings fast widerwillig, die Feder aus der Hand Mein kleines Buch „Bibel uud Babel" gibt ja die Ausführung des erwähnten und andrer großer Themata.
Sine akademische Berufung vor hundert Iahren
Ungedruckte Briefe von Johann Heinrich voß
u Aufaug des Jahres 1804 erhielt Voß, der seit Herbst 1802 in Jena lebte, von Würzburg aus das Anerbieten, unter glänzenden Bedingungen in eine amtliche Stellung au der dortigen Hochschule einzutreten. Ans einer Reise nach Süddcntschland, die er im Spätsommer desselben Jahres mit Frau Eruestiue machte, sprach er au Ort und Stelle vor, um Personen und Verhältnisse kennen zu ^rneu, und schied mit dem Vorsatz, das Gebotene anzunehmen. Als er dann über auf der Rückreise zum zweitenmal Würzburg besuchte, war das Bild, das ^ von seiner künftigen Tätigkeit empfing, ein andres; er eutschloß sich in ^un zu bleiben. Dabei mag der Gedanke schon mitgewirkt haben, der inzwischen aufgetaucht war, daß es gelinge« könnte, ihm iu Heidelberg eine würdige nnd auskömmliche Existenz zu schaffen. Oberbaudirettvr Weinbrenuer 'n Karlsruhe, bei dem Vossens Sohu Hans seit kurzein in der Lehre war, hatte in persönlichein Zusammensein zuerst diesen Plan angeregt; nnd der
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