Maßgebliches und Unmaßgebliches 741
nicht dabei sein. Schade! Ich hätte gern gehört, wie der Räuber, der Jsotow, verurteilt wurde. Also gestern!
Jawohl. Als Nachbar habe ich natürlich geholfen. Was soll mau macheu! Zwei alleinstehende Frauen! Sie haben uiemaud. Sie haben immer bei mir gekauft und sind mir nichts schuldig geblieben. Schade! Ich habe diese Kundschaft >>un verloren. Aber froh bin ich doch, daß sie von diesem Teufel, von der Schtschepin, erlöst sind.
Wohin mögen sie gezogen sein?
Ah, sie haben jetzt ein besseres Quartier, auch zwei Zimmer, aber größer. Nur ist der Eiugang schlechter, weil es ein großer Hof ist, viele Menschen, schmutzig. Aber die Wohnung selbst ist gut, sie ist ebeufalls eiu besondres Häuschen.
Sie kennen die Wohnung?
Nun. wie sollte ich nicht! schmunzelte er. Ich bin eben von dort gekommen Was sollte ich tun? Sie sind so lange meine Kunden gewesen. Ich habe Brot und Salz hingebracht, Herr Gehilfe.
Er nannte mir die Straße und das Haus und beschrieb den Weg. Für meinen Dienst lag die Wohnung so unbequem wie möglich, fast am jenseitigen Ende des benachbarten Stadtteils, hinter dem Markte. Doch das war es einstweilen nicht, was mir im Kopfe herumging, während ich hinwcmderte. Des Händlers Worte hatten ein unangenehmes Gefühl in mir hervorgerufen, hatten mir gezeigt, wie nnbeholfen uud ungewandt ich zu Werke ging. Er war ihnen bei dem Umziehn behilflich gewesen, hatte ihnen heute seine Aufmerksamkeit bezeugt. Uud ich? Ich hatte es nicht einmal gewußt, daß sie umzogen. Freilich war ich durch den Dienst gebunden uud durfte mir auch keine Aufdringlichkeit erlaube«. Aber wer gebunden ist und sich nichts erlauben darf, der müßte überhaupt davonbleiben.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Die Verjüngung des Offizierkorps. Alle bisherigen Vorschläge, die Beförderungen nnd Verabschiedungen der Offiziere anders zn regeln, sind teils als unzweckmäßig, teils aus militärischeu oder finanziellen Gründen als nnausführbar bezeichnet worden, nnd man versucht immer wieder, sich mit dem Gedanken zu lösten, daß im Interesse der Schlagfertigkeit des Heeres und der Verjüngung des Offizierkorps vorzeitige Verabschiedungen notwendigerweise mit in den Kauf genommen werden müßten. Es ist aber eine Tatsache, die nicht weggeleugnet werden kann, daß die Zahl der vorzeitig verabschiedeten, im besten Manuesalter stehenden Offiziere von Jahr zu Jahr wächst, uud daß viele von diesen häufig in untergeordneten Stellungen und in bitterster Not ihr Leben fristen, Zustände, die durchaus nicht dazu beitragen, den Offizierberuf besonders anziehend zn machen.
Gewiß haben nicht alle Offiziere die Fähigkeit, in die höhern nnd die höchsten Stellungen zu gelangen, und das ist durchaus kein Nachteil für die Armee, denn diese braucht auch gute Mittelmäßigkeiten. Wenn aber in den letzten Jahrzehnten eine auffallend hohe Zahl vou jüugeru Offizieren gegen ihren Willen abgehn mußte, weniger wegen mangelhafter Leistungen als vielmehr um Luft zu schaffen, so wird ein solches Verfahren von keinem billig denkenden als gerechtfertigt angesehen werden können.
Wenn man jetzt anch in Offizierkreiselt die Ansicht anssprechen hört, daß der Ossizierberuf überhaupt kein Lebensbernf mehr sei. sondern nur noch eine Übergangs-