Beitrag 
Ernst Curtius :
(Schluß)
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Lin Sommerurlaul' in Pounner»

Die letzten Verse:

Wie der Vogel auf dem Baum, Der sich müd am Tage sang, Nur noch zwitschert leis im Traum, Daß es in die Nacht verklang Also werden meine Lieder Leiser gegen meine Nacht, Und die lauten sing ich wieder, Wenn mein neuer Tag erwacht.

(Lin ^ommerurlaub in Pommern

rotz vielfacher Garnisonwechsel, zu denen meine Eltern meist gegen ihren Wunsch durch sehr schön geschriebne, ans der Residenz datierte Ordres veranlaßt worden waren, hatte, solange ich denken konnte, immer wieder über dem Sofa im Zimmer meiner Mutter unter lauter Familienbildern eine schön eingerahmte Lithographie gehangen, die dieSchrift" alsMünchner Tracht" bezeichnete, und die eine lunge Münchnerin in der Volkstracht mit einem eigentümlich geformten, nach oben spitz zulaufenden Kopfputz und mit einem befransten, reichgemnsterten, dreizipflig zusammengelegten Seidentuch über deu Schultern darstellte. DerPrivatdieuer," wan würde heutzutage sagen der Bursche, der iu alleu Fragen über weibliche Schönheit meine Autorität war, hatte geäußert, der möchte er schon einmal in Neisch und Blut begegnen: sie war also schön, und meine Mutter hatte mir ge- >°gt, das Bild gleiche ihrer Schwester, meiner Tante Nadicgeda so, daß es des­wegen eingerahmt worden sei und unter den übrigen ihre Familie darstellenden Porträts Platz gefunden habe.

Taute Nadiegeda war eigentlich nur eiue Halbschwester von Mama, deren Mutter sich nach dem Tode meines Großvaters zum zweitenmal verheiratet hatte. Sie hatte sich, nachdem sie, wie ich später erfuhr, kurze Zeit als Stern erster Große

"w D.....er Schönheitshimmel geglänzt hatre, nn einen pommerschen Gutsbesitzer,

Herrn von Fork, verheiratet und lebte mit ihm und ihrer zahlreichen jungen Familie sie hatte fünf Söhne uud drei Töchter jahraus jahrein auf dem Lande, ohne daß die beiden Schwestern Zeit und Gelegenheit gehabt hätten, anders als bestich zu verkehren.

Ein oder zwei Jahre, ehe ich ans dem Hause uud auf die Schule kam, waren Weihnachten bei uns außer unzähligen Spickgänsen und andern pommerschen Delikatessen zwei juuge Bürschcheu erschienen, die in meines Vaters ausgeräumter und nach Möglichkeit mit ehrbaren, widerstandsfähigen Möbeln versehener Sattel- tammerlogiert" uud mir als pommersche Vettern, denen ich die höchsten gast- nchen Rücksichten schuldig sei, vorgestellt wurden. Es waren Tante Nadiegedas älteste Söhue, die in Niesky erzogen wurden, und die, nm mit der damals noch etwas umständlichen Heimreise nicht zu viel Zeit zu verlieren, vielleicht auch, weil wein Onkel keine Zeit hatte, sie abzuholen, und man sie nicht allein reisen lassen

wollte, ihre Weihnachtsferien bei uns in D...... zubringen sollten. Entweder

Waren beide sehr gutmütige Jungen gewesen, oder die mir erteilten Mahnungen hatten in unerwarteter Weise gefruchtet, denn ich entsinne mich auch nicht der leisesten Meinungsdifferenz, die während der ganzen Zeit zwischen uns zum Vorschein ge­kommen wäre, ja nicht einnial, daß mich die beiden ab und zu durchgedroschen