Beitrag 
Das Miquelsche Einkommensteuergesetz 1903 :
(Schluß)
Seite
652
Einzelbild herunterladen
 

652

Ernst Lnrtius

den Eiuschützungsbehörden durchaus nicht als „unbequeme Einrichtung" an­gesehen, sie ist ihr im Gegenteil znr Klärung der Rechtsfragen und für die Gleichmäßigkeit des Verfahrens höchst erwünscht. Die „vordem geübte Nach­sicht" hat niemand schmerzlicher empfunden als die Beamten der Re­gierungen, denen die Ausführung der Vorschriften des alten Einkommensteuer­gesetzes oblag.

Auch Gesetze werden alt. Aber sie werden länger jung erhalten bei auf­merksamer, vorbeugender Pflege. Wohldurchdachte Organisation der Behörden, sorgfältige Durchbildung der mit dem Gesetze arbeitenden Beamten, richtige Auswahl bei der Besetzung der verschiednen Amter und Stärkung der mit er­höhter Verantwortlichkeit belasteten Stellen — das sind die Mittel, die not tun. Nicht abgebröckelt, nicht gelockert, sondern gebaut, ausgebaut, vorgebaut muß werdeu.

Die Anzeichen sind vorhanden, daß eine Reorganisation der preußischen Verwaltungsbehörden nur eine Frage der Zeit ist. Sie wird da sein, sobald der Mann dafür gefunden und an die berufne Stelle gesetzt ist. Möge dieser alsdann das Finanzministerium vorbereitet für die Mitarbeit an dem Reform­werk finden, gerüstet Vorschläge zu machen nnd durchzusetzen, geeignet das Miquelsche Einkommensteuergesetz dem Staate zum Nutzen noch Jahrzehnte jugendfrisch zu erhalten.

GIM

Ernst (Lurtius

(Schluß)

lan vermißte an Curtius politisches Urteil uud die volle Herr­schaft über die Quellen. Der erste Vorwurf traf in der Tat die schwächste Seite seines Buchs, wie er denn überhaupt auch als Person für politische Dinge kein sehr lebendiges Interesse ! hatte, aber es mnß auch gesagt werden, daß die Schwäche bei der knappen Fassung, in die er seine Darstellung zu konzentrieren gezwungen war, schärfer und störender hervortreten mußte, als es der Fall gewesen wäre, wenn er, wie Grote und Duncker, auf drei- oder sechsfachem Rcmm die Berichte der Alten hätte ausschreiben und mit ausführlichem kritischem Raisonnement be­gleiten können. Dabei bleibt freilich bestchn, daß jene beiden als wirkliche Politiker anch für die politischen Grundlagen eiuer Geschichtschreibung besser ausgerüstet waren als er. Auch bei dem zweiten Vorwnrf hat man zunächst die notwendige Kürze der Darstellung entlastend in Anschlag zu bringen, so­dann aber die Beschaffenheit der Überlieferung mit dem vielfach umstrittnen Sinn und Wert ihrer Nachrichten, worüber jemand leicht, ohne seinen Ruf zu gefährden, die gelehrtesten Untersuchungen anstellen kann, der als Darsteller, sozusageu als positiver Dogmatiker, eine Meute von Kritikern gegen sich und seine „Wissenschaftlichkeit" entfesseln würde. Die immerhin vorhcmdnen Mängel in der quellenmäßigen Behandlung hätten sich ohne Frage durch die Arbeit