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Ernst Curtius
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Der Rreuzzug gegen die Stcdinger

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dem Volke sprachen, kennen wir nicht, weil keinem daran lag, sie uns anzu­geben. Die ganze lykurgische Verfassung ist ein Nebel von Fabeln und Meinungen, die iuuere Geschichte Athens eine Sammlung von Notizen, von einer späteu Gelehrsamkeit ohne lebendige Kenntnis redigiert, die uns auf alle wesentlichen Fragen die Antwort schuldig bleibt. Der nenaufgefundne so­genannte Aristoteles, an dessen Echtheit jn wohl die meisten Philologen glauben, hat die Verwirrung uur noch größer gemacht. Die Römer hatten doch verlMnismäßig früh wenigstens eine Annalistik der Tatsachen. Bei den Griechen erzählt uns Thnkydides mit Umständlichkeit alle Aktionen des peloponuesischen Kriegs bis auf die kleinsten Scharmützel, über die innern Zusammenhänge uud den politischen Hintergrund des Kriegstheaters schweigt er. als ginge das keinen etwas an. So sind wir sogar um ein getreues historisches Bild des großen Perikles gebracht worden, der im Mittelpunkt des zweiten Bandes der Curtiusschen Geschichte steht. Seine Konstruktion durch Cnrtius erfuhr wohl die meisten Anfechtungen.Es kann einem doch wehe tun, schreibt er 1872, daß jetzt allerorten das Gezänke der Gelehrten wieder in voller Blüte steht; es ist der Ärger über die in Deutschland nicht durchgcdruuguen Ansichten Grotes, der sich bei einer Gruppe junger Gelehrter Luft macht. Znm Gluck muß man auch des Thnkydides Autorität anfechten, um mich zu widerlegen uud mich einer leichtfertigen Verunglimpfung des athenischen Volkscharakters zu überführen." . c ? t>

> ^ (Schluß folgt)

Der Kreuzzug gegen die ^tedinger

Von <L. F. Seemann

uch unsre Generation seufzt zuweilen über versuchten oder aus­geübten Glanbenszwcmg. Sie vertritt mit vollem Recht die Frei­heit der Überzeugung, die der Welt erobert zu habeu ein ewiges Verdienst der Reformation bleiben wird. Gegen das, was einst an geistlicher Tyrannei ausgeübt wurde, ist alles heutige das reine Kinderspiel. Anch die hitzigsten Vorkämpfer der katholischen Kirche würden sich heute mit Schauderu abwenden, wenn ihnen zugemutet würde, Dinge zu begehn, die mau im Mittelalter für gottwohlgefüllig hielt. So ändern sich die Zeiten. Die katholische Kirche, die den großen Abfall des sechzehnten Jahrhunderts verdammt, muß doch zugeben, daß sie sich selber seitdem zu ihrem Vorteil reformiert hat, und daß sie das im wesentlichen Luther, Mclanchthou, Zwingli und Calvin verdankt.

Die Verfolguug der Albigenser keimt alle Welt; vou dem Kreuzzug wider die Stediuger weiß außer den Historikern nur ein kleiner Kreis von Gebildeten. Allerdings litten die unglücklichen Ketzer in den savoyischen Bergen wirklich um ihres Glaubens willen, lind eine nlehrhundertjährige Geschichte ihrer Kämpfe