Beitrag 
Die Monumenta Germaniae historica, ihre bisherige Leitung und Leistung
Seite
543
Einzelbild herunterladen
 

König Lanrin

543

ständige Werk verwenden muß, doch niemals den wissenschaftlichen Forscher der Mühe überheben, das ganze Werk kennen zu lernen, weshalb sie am besten aus den Monumenten ganz ausgeschlossen geblieben wären. Niemand hat treffender und schärfer über diese Angelegenheit geurteilt als Theodor Mommsen in der Zeit­schrift der Monumente selbst:Die Exzerptenpnblikation mag für die Wissen­schaftlichkeit zweiter Ordnung am Platze sein; für unsre Arbeiten ist sie mir immer als ein dem nationalen Unternehmen wenig anstehendes Armutszeugnis erschienen."

Das dritte und letzte Bedenken hat die in die Uomnuenta aufgenommenen und noch aufzunehmenden italienischen Geschichtswerke znm Gegenstaude! sie können nämlich nicht von Anfang an den ausländischen gleichgesetzt werden, weil seit Ottos des Ersten Zeit Italien staatsrechtlich ein Teil des Reichs war. Dabei ist aber doch Wattenbachs Urteil unbestreitbar,daß Italien schon in der Stauferzeit eine so eigentümliche und selbständige Entwicklung gewinnt, daß ein eigentlicher Zu­sammenhang mit der deutschen Historiographie nicht besteht," auch der Grundsatz Kon keiner Seite in Zweifel gezogen wird, daß die NonuMouta, nicht den Beruf haben, der Großmacht Italien die Pflicht abzuuehmen, für neue, deu Anforderungen der Wissenschast genügcude Ausgaben ihrer Geschichtsquellen zu sorgen. Es dürfte darum auch möglich sein, eine Verständigung über die zeitliche Grenze zu erreichen, an der die Aufnahme der ans Italien bezüglichen Aufzeichnungen in die Norm- wenig, einzustellen ist. Da nämlich mit dem Frieden von Konstanz auch Nord- italieu, wo die Entwicklung der Stadtrepubliken anhebt, tatsächlich vom Reiche ge­löst wird, so sollte bei der Aufnahme italienischer Geschichtsquellen nicht weiter über diesen Zeitpunkt, jedenfalls nicht über das Ende des zwölften Jahrhunderts hinaus­gegangen werden; denn die Erwerbung, Verwaltung und Verteidigung des Nor- mnnnenreichs gehört nicht mehr in die deutsche Geschichte, sondern in die Geschichte des Stanfischen Hauses, das eben um dieser Erwerbung willen reißend schnell der schon in Friedrich dem Zweiten vollendeten Entdeutschung verfällt; und ein so äußer­liches Kriterium wie die Katserkrönung auf italienischem Boden kann erst recht nicht maßgebend sein, weil sonst bis 1530 die gesamte italienische Geschichtsliterntnr anfgenommen werden müßte. Es empfiehlt sich vielleicht, durch die Vermittlung der vorgeordneten Neichsbehörde und der italienischen Regierung ein Abkommen zwischen der Zentraldirektion der Noimmenta uud etwa dem Istiwto storieo italia.no über die Verteilung der einzelnen Quellenschriften zu treffen, damit eine doppelte Bearbeitung vermieden werde. Sicherlich steht so viel fest: wenn nicht beizeiten dem Eifer Holder-Eggers, der sich seit einem Jahrzehnt mit den italienischen Chro­niken beschäftigt und mit seinen Vorarbeiten schon in das vierzehnte Jahrhundert hineingreift, ein Zügel angelegt wird, so werden, da die Lerixtoros-Abteilung die andern Abteilungen nach sich ziehn wird, die Uouumsnta. auch im zwanzigsten Jahrhundert noch nicht zum Abschluß gelangen, und zu den anderthalb Millionen Mark, die sie bisher in runder Summe gekostet haben, noch über sechs Millionen Mark mehr nötig sein!

König Laurin

ie sonderbare Lücke in Wildenbrnchs sonst so reicher Begabung, der Mangel an bescheidner und treffsicherer Treue bei der Schilderung geschichtlicher Persönlichkeiten und Zustände, wird um so weniger fühl­bar, je mehr der Stoff, den er behandelt, außerhalb der Kreise liegt, deren genauere Kenntnis auch für das große Publikum durch Spezinl- forschung und Memoireuliteratur gefördert worden ist. Für germanische Kraftfülle uud Naturwüchsigkeit hat er jederzeit volles Verständnis: was man vermißt sind die unzähligen feinen Schattierungen, die das Individuum, die Stadt, das