Beitrag 
Zur Reform der preußischen Verwaltung
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Die Irrtümer der Demokratie

den jüngsten Referendaren gemacht. Diese und manche andre regelmüßig zn

erstattende Berichte, die viel Arbeit verursachen, müßten beseitigt oder doch auf

das notwendigste Maß beschränkt werden, wie zum Beispiel die vielen statistischen

Mitteilungen, Auf manchen Gebieten wäre auch eine Änderung der gesetzlichen

Bestimmungen nötig, - ,

(Schluß folgt)

Z)ie Irrtümer der Demokratie

von Julius patzelt in Wien (Schluß)

> bgleich fast alle Verfassungen nur ein „instruktiousloses Mandat" kennen, gibt es tatsächlich heute keine Wahl mehr ohne In­struktion. Gerade das auf dem Gebiete des Erwerbslebens immer mehr um sich greifende Streben nach „Vergesellschaftung," !das einerseits zn der irrigen Annahme geführt hat, daß der politische Kollektivismus, durch einen wirtschaftlichen Kollektivismus ergänzt, die vollkommenste Ordnung der menschlichen Gesellschaft gebe, hat am meisten dazu beigetragen, die Idee des politischen Kollektivismus als einen Irrtum zu erweisen. Heute haben sich beinahe alle ständischen Elemente der modernen Verfassungen in Interessenvertretungen umgewandelt, während zu­gleich neben ihnen ähnliche Gebilde neu emporwuchsen. Die wahlrechtlich privilegierten Großgrundbesitzer haben sich mit den Bauern zur Wahrnehmung der agrarischen Interessen vereinigt; die Börse hat große parlamentarische Parteien in ihrem Dienste; die Lohnarbeiter haben sich in der Sozialdemv- kratie eine Vertretung ihrer besondern Interessen geschaffen, und wo die Kraft der einzelnen Stünde znr Herstellung einer parlamentarischen Organisation nicht ausreicht, hört man häufig den Ruf nach einer gesetzlichen Sicherung parlamentarischer Vertretung, svdaß heute fast jeder Stand einige Parlaments­sitze verlangt. Natürlich forderu aber diese Interessenten von ihrem Vertreter im Parlament nicht einen möglichst weiten, sondern im Gegenteil einen mög­lichst engen Gesichtskreis. Von ihrem Standpunkt aus ist dies durchaus be­rechtigt, denn es steht außer allem Zweifel, daß der Schuhmacher am besten Bescheid weiß über die Verhältnisse und die Bedürfnisse seines Gewerbes, der Landwirt über die der Landwirtschaft, der Fabrikarbeiter über die Lage der Lohnarbeiter usw. Aber wäre eine solche Versammlung, nnch wenn sie die fähigsten nnd intelligentesten Vertreter aller dieser Interessengruppen umfaßte, imstande, Gesetze zu geben, zu regieren? Nein! Ein Jnteressenvertreter hat die Verpflichtung, die Interessen seiner Auftraggeber uuter alle» Umständen zur Geltung zn bringen, ohne Rücksicht auf die übrigen Gruppen, ohne Rück­sicht auf das Ganze. Zugegeben, daß die Forderungen einer Grnppe dnrchaus berechtigt seien, so ist es doch ganz gut möglich, daß aus Rücksicht auf das allgemeine Wohl diese Forderungen augenblicklich zurücktreten müssen. In