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Patzelt, Julius : Die Irrtümer der Demokratie
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Die Irrtümer der Demokratie

von I'llius Patzelt in Wien

n den gesetzgebenden Körperschaften sind im Laufe der letzten Jahre Erscheinungen aufgetreten, die auf schwere Fehler in dem Aufbau der abendländischen Staatsverfassnngeu hiudeuteu. Auf der einen Seite versichert man allerdings, daß es sich lediglich vorübergehende Störungen handle, die durch die weitere Demokratisierung von Staat und Gesellschaft ohne weiteres beseitigt werden wurden; aber auf der andern Seite wird umso schärfer betont, daß die kritische Entwicklung des modernen Verfassungslebens gerade auf seiner demokratischen Grundlage beruhe. Es uuterliegt wohl keinem Zweifel, daß heute un Volke dns Verlangen uach einer kräftigern Anwendung des demokratischen Prinzips Verfassnugslebeu stärker ist als der entgegengesetzte Wunsch. Im Banne der demokratischen Lehre stehend betrachten die Massen ihrRecht" auf Herrschaft als ein kostbares Gut, das fortwährend vermehrt werden müsse; auch sieht ein gwßer Teil der Gebildete,: darin ein notwendiges Gegengewicht gegen die Willkür Einzelner. Die fabelhafte Entwicklung unsers Erwerbslebens mit seinem Streben nach Vergesellschaftung hat außerdem mitgewirkt, das Publikum zum großen Teile der sozialistischen Richtung zuzuführen, die den politischen «Kollektivismus" durch den wirtschaftlichen, die politische Demokratie dnrch die soziale ergänzen will. Die entgegengesetzte Anschcumng hat also vor­läufig wenig Aussicht, gehört zu werden; trotzdem ist es für die Kreise, die nicht in den Sklavenketten der sogenannten öffentlichen Meinung liegen, viel­leicht nicht ohne Interesse zn untersuchen, ob die bedenklichen Erscheinungen, die in dein Verfassungsleben der europäischen Staaten auftreten, nur zufällig uud beiläufig, oder ob sie die natürlichen Folgen organischer Fehler der den festländischen Verfassungen zu Grnndc liegenden Theorien sind. Da sie alle ohne Ausnahme in der revolutiouäreu Eutwicklung Frankreichs am Ende des achtzehnteu Jahrhunderts wurzeln, sei zunächst erörtert, welche Aufgabe die französische Revolution lösen wollte, und mit welchen Mitteln und welchem Erfolge sie es versucht hat.

Faßt man den Zustand Frankreichs beim Tode Ludwigs des Füufzehuten, Grcnzboten I 190K 48