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Latholica
liebe gegen den einzelnen äußerlich niedriger und im Einkommen viel schlechter gestellten Mitmenschen, unterwürfig nach oben, herrisch nach unten, nur den eignen Nutzen suchen, geniert diese Herreu Sozialpolitiker nicht. Der moderne Sozialismus und auch die moderne Ethik begünstigen leider diese Art. Danach braucht Nächstenliebe überhaupt kaum noch unmittelbar gegen den Nächsten ge- gcübt zu werden. Sie ist Sache der Gesamtheit uud braucht nur uoch theoretisch erwogen, durch Gesetze vorgeschrieben und bureaukratisch inszeniert zu werden. Was dabei herauskommen muß, ist klar. Der Sozialdemokratie werden die Geschäfte damit glänzend besorgt werden, und wenn dann die Flinte schießen und der Säbel hauen muß, um die Kasten- und Klassenprärogative zu schützen, erst recht.
Der politische Liberalismus ist am Materialismus zu Schänden geworden. Mit ihm hat unsre Sache nichts zn thnn. Aber den echten, rechten, idealen und sozialen Liberalismus an den Universitäten uud im Beamtentum, den brauchen wir heute in Preußen dringender als jemals, und ihn zu fördern hat man die Macht, wenn man nur will.
(Latholica
von Joseph INayer
9. Die katholische Universität von Amerika
ls das zweite Plenarkonzil der Bischöfe in den Vereinigten Staaten von Nordamerika im Oktober 1866 in Baltimore gefeiert wurde, sprachen die versammelten Väter den lebhaften Wunsch ans, daß in diesem Lande eine Universität errichtet werde, „an der alle Zweige der Litteratur und des Wissens, sowohl der heiligen wie der profanen Wissenschaften, gelehrt werden sollten." Die Zeit für eine solche Grüudung war noch nicht gekommen, und erst als sich die Väter zum dritten Plenarkonzil von Baltimore im Jahre 1884 versammelt hatten, konnte etwas geschehn.
Hauptsächlich auf Veranlassung von Monsignore John Lcmcaster Spalding, Bischof von Pevria, hatte sich Miß Mary Gwendoline Caldwell von Newport (Rhode Island) entschlossen, der amerikanischen Hierarchie 300000 Dollar, das sind 1200000 Mark anzubieten, „zu dem Zwecke der Gründung eines großen theologischen Seminars zur höhern Ausbildnng des Klerns der Vereinigten Staaten, in der Erwartung, daß es die Grundlage einer zukünftigen katholischen Universität abgebe." Selbstverständlich wurde die fürstliche Schenkung angenommen, und ein Ausschuß wurde mit der Erledigung der Borarbeiten betraut. Am 26. Januar 1885 versammelte sich dieser Ausschuß in New Ac'rk und stellte den in der Überschrift mitgeteilten Namen der zukünftigen Anstalt fest. Als Sitz der Hochschule wurde am 7. Mai des genannten Jahres Washington bestimmt und die Geschäfte von eiuem mittlerweile gebildeten Verwaltungsaus-