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Der Professor, Onkel Zinnober, Rosamunde und Ännchen : eine Weihnachtsgeschichte
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Der Professor, Gnkel Zinnober, Rosamunde und Ännchen

Eine ZVeihiiachtsgeschichte

s wcir das letzte Konzert vor Weihnachten. Der jüngste ordentliche Professor der Universität es wcir noch gar nicht so sehr lange her, daß er in seiner Heimatstadt einfach Geheimrats Waldemar ge­nannt wurde hatte seinen Platz eingenommen nnd wartete gespannt. Weniger ans den Beginn der Musik, obgleich es ein Programm war, das ganz seiner Liebhaberei entsprach, als auf die Inhaberinnen der beiden noch leeren Plätze jenseits des Mittelgangs ihm gegenüber. Es waren die Witwe eines berühmten Gelehrten und ihre Tochter, und diese Tochter entsprach ganz der Idee, die er sich von weiblicher Vollkommenheit machte. Das war ihm nach jedem Ball klarer geworden eine vornehme, edle Gestalt, eine wahre Diana mit dunkelm Haar, klassischem Gesichtsschnitt und vollendetem Weltschliff. Reich mich, aber das war Nebensache, denn er konnte ihr eine Stellung bieten, die auf derselben Höhe war wie die ihres verstorbnen Vaters, uud einen Namen, der an nnd für sich einen ebenso guteu Klang hatte, uud den er selbst uoch klangvoller machen wollte, das durfte er sich zutrauen.

Seit Anfang des Semesters war er hier in der Musenstadt. Der Ruf au die Universität hatte ihn ereilt, wahrend er in Italien war, wo er die letzten Jahre Niegen seiner Kunststndien zugebracht hatte, denn er war Archäologe nnd Kunsthistoriker. Er hatte sich natürlich nicht ciuen Augenblick besonnen, denn der Ruf war höchst ehrenvoll. Und schließlich war er, da sich der Abschluß von Studien, die er be­gonnen hatte, hinauszog, ohne den Umweg über seine Heimat hierhergekommen nnd hatte seiue Lehrthätigkeit begonnen. Es war nicht anders möglich gewesen; die Mutter hatte allerdings geschmollt, aber sein alter Herr war einverstaudeu gewesen. Er war ja selbst Professor der Architektur am Polytechnikum daheim.

Und dann war das geschehn, was sehr häufig alsbald zu geschehen pflegt, wenn man ledigerweise ordentlicher Professor wird, er war seinemIdeal" begegnet. Er hatte auch nicht die Absicht, lange zu fackeln. Zeichen davon, daß seine unver­hohlene Bewunderung nicht mißfällig aufgenommen wurde, glaubte er bemerkt zn haben; es war auch ganz natürlich, Gleich gesellt sich zu Gleich, und von allem andern abgesehen, er war doch ein famoser Kerl und hätte als Gardekavallcrieoffizier ebenso gut Figur gemacht wie als Knnstprofessor. Die Weihnachts- und die Neujahrs­gesellschaften boten Gelegenheit zu weiterer Annäherung, uud bet einer dieser Ge- lcgeuheiteu wollte er es zur Entscheidung bringen. Er hatte auch heim geschrieben, zuerst andeutungsweise, daß er vielleicht in den Weihnachtsferien verhindert sein könnte, heim zu kommen, dann bestimmt, es wäre nicht möglich, und endlich hatte er verblümte Anspielungen auf ein Ideal gemacht. Die Mutter hatte einen Brief voll Ausrnfnngszeichen geschrieben und ihrem Jungen dringende Mahnungen erteilt, nichts Übereiltes zu thun und sein Herz recht zu prüfen es hatte ihn königlich amüsiert, und der Vater hatte geschwiegen. Also war er einverstanden mit den