Litteratur
619
anssprechen, daß man den leibhaftigen Bismarck in der Schrift des Dr, Bnsch immer wieder finden wird oder wieder finden kann. —
Und an seinen Freund den Baron von Nextull schreibt Graf Keyserling drei Tage später, am 17. August 1879 (Seite 195, Band II):
Die Baronin Rahden hat meiner Tochter zur Leetüre während der Genesung das Buch von Busch über Bismarck zugeschickt. . , . Inzwischen habe ich es dnrch- gelesen und frene mich, damit ein sehr nnbegründetes Urteil losgeworden zu sein. Ich halte das Buch für eine werthvolle und seltene Erscheinung. Es ist nicht gleich den litterarisch fa^onnierten französischen Memoiren, aber es ist wahr wie eine klecksige Photographie, und das erfreut inmitten der vielen Verlogenheit. Man hat ja den leibhaftigen Bismarck vor sich, wenn auch nichts von seinen uuter der Meeresfläche verborgenen etwaigen Vorausberechnungen und verwegenen Combinationen, von denen andere nicht viel wissen können, da er selbst so wenig davon weiß. Kurz, ich rathe Ihnen sehr, sich das Bnch einst in extenso vorlesen zu lassei,, da es sich nach dem Duft, den die Zeitungen daraus gezogen haben, und nach den vergnüglichen Bosheiten Valberts in der liovno (los äeux inoncies schwerlich benrteilen läßt. —
Nachdem noch ganz vor kurzem zwei unsrer deutschen Gelehrten, Herr Professor Kohl und Herr Profeffor Lorenz, das Buschische Werk schmähen zn dürfen geglaubt haben, scheint es billig, mit ihrem Urteil das eines Mannes zu vergleichen, der ihnen gegenüber nicht bloß die Autorität des gleichfalls als „gewissenhaft und objektiv" bekannten Forschers, sondern auch die „des ältesten nnd intimsten Freundes" Bismarcks in die Wagschnle werfen konnte, denn als solchen bezeichnet ihn der Reichskanzler selbst in seinem an den Schwiegersohn des Verstorbnen gerichteten Beileidstelegramme. (Band II des Lebensbildes, Anhang, Seite 655.)
Litteratur
Georg Webers Lehr- und Handbuch der Weltgeschichte. Vollständig neu bearbeitet von Professor 1)^. Alfred Baldamus. 21. Auflage. Erster Band: Altertum, XIVundtilOS. Zweiter Band: Mittelalter, XX und 786 S. Leipzig, Wilhelm Engelmann, 1802
Der wohlbekannte, weitverbreitete „zweibändige Weber" erscheint hier in völlig neuer Gestalt, auf vier Baude erweitert, völlig nmgcarbeitet nnd durch zahlreiche ganz neue Abschnitte vermehrt, also als ein fast neues Werk. Die Redaktion des Ganzen liegt in den Händen des durch seine Bearbeitung des Putzgerschen Historischen Schnlatlasses längst vorteilhaft bekannten Leipziger Historikers Alfred Baldamus, der selbst zwei Bände, den zweiten und den dritten, übernommen und durch Herbeiziehung andrer bewährter Fachmänner dafür gesorgt hat, daß jeder Gegenstand den geeignetsten Bearbeiter gefunden hat. Die allgemeine Einteilung des ungeheuern Stoffes in die Abschnitte Altertum, Mittelalter, Neuere Zeit, Neuste Zeit, auf die je ein Band entfällt, ist beibehalten worden, ebenso die Gliederung nach den Perioden der politischen Geschichte. Aber der Einfluß der modernen Auffassung zeigt sich darin, daß einerseits die Kulturentwicklnng und das Zuständliche überall auf das eingehendste berücksichtigt, andrerseits der Kreis der dargestellten Völker wesentlich erweitert worden ist und die orientalischen Völker mit umfaßt. Im ersten Bande (von E. Schwabe in Meißen) folgt demnach auf einen ganz neuen allgemein orientierenden Abschnitt (der prähistorische Mensch, Menschenrassen nnd Sprachen, Neligions-, Staats- uud Wirtschaftsformen) das erste Buch mit der Geschichte der morgenländischen Völker von den Chinesen bis zn den Persern in der hier natürlichen geographischethnographischen Anordnung, dann in zwei Büchern die Darstellung der griechischen Welt und'die römische Geschichte. Der zweite Band beginnt mit einer zusammenfassenden Übersicht über die beiden das Mittelaltcr beherrschenden Mächte, das Christen-