Gabriele d'Ammnzios Tote Stadt 473
Hot von jeher gesucht, das Geschäft der Bank auf eine möglichst breite Basis zu stellen und hierzu die überseeischen Länder in hervorragenden: Maße hcrcm- zuziehn. Die steigende Entwicklung Dentschlauds und die zunehmende Erschließung der Welt ließen diesen Versuch vollauf gelingen und ermöglichte-: svgcir in Jahreu innerdeutscher Krisen eine Ausgleichung des Jahresergebnisses.
Gerade aber der zweite Grundsatz wurde bedeutend erschüttert werden durch die Prinzipien der Publizität und der staatlichen Aufficht. Die Expansionspolitik, die die Stabilität der Baute:: am wirksamsten sichert, wäre durch eiue staatliche Aufsicht, die au den Buchstaben gesetzlicher Bestimmnngen gebunden wäre, am meisten gefährdet.
Gabriele d'Annunzios Tote Atadt
abriele d'Annunzio gehört ohne allen Zweifel zu deu bedeutendsten Dichtern des heutigen Italiens, obwohl er dort ebenso heftige Gegner wie begeisterte Bewundrer findet. Bei uns ist er wenig bekannt, und das hat mich feine guten Gründe. Er _ ist zunächst eigentlich unübersetzbar, denn jede Übersetzung streift den feinsten Schmelz vvu seiueu Dichtungen ab, wie wenn man etwa den ^arbenstaub von eiuem Schmetterlingsflügel abstreift, sie zerstört den Zauber Miier Sprache, auch seiuer Prosa. Sodann ist er ganz und gar eiu moderner Italiener nnd stolz ein solcher, eiu „Lateiner" zu sciu; die Empfindnngs- uud Vorstellungswelt nnd die Ausdrucksweise der romanischen Völker aber ist in ^ueler,,Beziehung nicht die uusrige, so sehr heute derselbe unheimliche Grundzug ^ "Übermenschentums" durch alle europäischen Litteraturen geht. Des Dichters ^"ldungsgang aber ist höchst persönlich, beinahe der eines Wunderkindes, ^denfalls eines ungewöhnlich frühreifen Menschen.
Am 12. März 1864 an Bord eines Schiffs auf dein Adriatischen Meere ^boren, verlebte er seine erste Jugend in Franeavilla al Marc, einer kleinen ^üstenstadt im nördlichsten Teile des frühern Königreichs Neapel. Er besuchte ^nn 187Z bis 1880 das Collegio Cievguini in Prato bei Florenz; hier er- ^rb ^. ^ klassische Bildung, offenbarte aber auch schon sein dich-
e^fches Talent, indem er mit fünfzehn Jahren einen Band lyrischer Gedichte ^mavk.Ä) veröffentlichte. Die Kritik erkannte diese Leistung so an, daß er '"t einen: Schlage berühmt wurde. Als er 1880 nach Rom kam, wurde er '°'""'tUch von den Damen der stolzen römischen Aristokratie bewundert und ,^^ut, und er lernte Rom damals gründlich kennen, dieses Rom der acht- Jnhre, „das in mancher Beziehnng den: Rom der ersteu Zeit des sech- « Men Jahrhuuderts ähnelte." Berauscht vvu warmen Huldigungen und affinierten Genüssen kehrte er nach einigen Jahren in seine Heimat zurück; bald ging er von der Lhrik zum Roman über, dessen erste, überaus Grenzboten IV 1302 gg