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Elizabeth Barrett-Browning und George Sand
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TnfÄUtiUaZe

Für die Krankenstubenatmosphäre, der die beiden Gedichte entstammen, sind diese dichterischen Äußerungen ein Zeugnis, daß echte, selbständige Urteils­kraft den Triumph des Geistes über körperliche Leiden erringt. Diese divi- natorische Begeisterung für die edlern Regungen George Sands stimmt zu der spätern Schilderung des persönlichen Eindrucks. Die Züge dieses Antlitzes widersprechen sich, aber Stirn und Augen verraten adliche Gesiunnng.

Die Flecken, die au dieser genialen Frcmenhcmd haften, haben Elizabcth Browning nicht zurückgescheucht. Ihre vornehme Ignorierung unvermeidlicher Schattenseiten und zeitgenössischen Klatsches sichern ihrer eignen Gedankenwelt positiven Gewinn. Ihre physische Schwäche macht sie in hohem Grade ab- häugig von den Einflüssen selbstgewählter Lektüre. In Aurora I^oiAll, der Dichtung, ail der sie während ihres Pariser Aufenthalts arbeitet, hat sie die Eindrücke, die aus den Werken von Zeitgenossen, insbesondre auch von George Sand, auf sie übergingen, verarbeitet und mit Kraft von ihrem Geiste neu be­seelt. Die Tendenzen der französischen Umstürzlern! erscheinen freilich durchaus geläutert. Elizabeth Brownings Heldin Anrora kämpft für Befreiung ihres Geschlechts von mittelalterlichen Traditionen, aber dank einer frühzeitigen Er­kenntnis ihrer persönlichen Menschenwürde kann sie dem reinen Zuge ihres Herzens folgen, ohne mit den Forderungen der Sitte und der bürgerlichen Ge­sellschaft in Konflikt zu geraten. Aurora Leigh steigt auf die Schultern der unglücklichen Jndiana, der bedauernswerte« Valentine, sie schmiedet sich, dank ihrer eignen Kraftentwicklung, ein menschenwürdigeres Glück. Dieses wunder­same Evangelium von der freien Selbstbestimmung der Frau ersteht über den Trümmern, die George Sand beherzt aus den morschen Pfeilern wankender Gesellschaftsordnung zusammengefegt hat: ein reiner Phönix steigt ans der Asche des revolutionären Feuers!

^ntÄntillaAS

von Luise Glaß (Schluß)

> n der Muhme Haus fund er verschlossene Thüren, auch der Garten war leer. Jean sahs schon von weitein, rüttelte aber doch an dem Gatter. Drüben im Gemüsefeld, die kleine, in sich zusammengekrochue Gestalt, das würde die Muhme sein die war auch nicht jünger geworden seither. Den linken Arm trug sie in der Binde, mit dein «rechten pflückte sie Schoten in die heranfgebundne Schürze. Grete war nicht zu sehen.

Sonntag Nachmittag? Sie würde doch nicht da drüben gewesen sein unter der Linde bei den juchzenden Sängern? Verdrießlich schlenderte Jean die Lehne hinab nach dem Ententeich, dem Begründer ihrer Kinderfreundschnft.

Aber da saß sie ja! Natürlich! auf dem alten Bänkchen zwischen den Weiden- biischen saß sie. Der Hut lag im Gras, die schlanken, gebräunten Hände hantierten mit Stricknadeln, die Augen gingen über die grüne Wasserfläche hin, wo Enten ihre Grütze schlabberten und zwischendurch wohlgefällig mit den aufwärts gerichteten Schwänzchen wackelten.