Beitrag 
Wie steht es?
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

^ntÄuUIIaxzi!

819

und gruppierten. Das geht uns allen so, nur daß die leichten Abänderungen, mit denen wir uns ein Erlebnis oder eine psychologische Erscheinung in der Erinnerung zu verschiednen Zeiten vergegenwärtigen, bei uns, die wir keine Bismarcke sind, nicht viel ausmachen, und daß sie uns deswegen auch nicht nachgerechnet werden. Statt nun einfach zu bestätigen, daß der in denGedanken und Erinnerungen" enthaltene, von Lorenz verdächtigte Passus authentisch ist nnd sich, was an sich die Glaubwürdigkeit dieser Bestätigung nur erhöhen würde, mit der Bnschischen Dar­stellung deckt, wobei dem Leser überlassen bliebe, sich die scheinbare Diskrepanz der kronprinzlichen und der Bismarckischen Darstellungen so oder so zu erklären, zieht Professor Kohl aus purer Freude nm Verurteilen vor, die Gelegenheit beim Schöpfe zu nehmen und Busch etwas auszuwischen, indem er die Glaubwürdigkeit der von diesem mit allen Einzelheiten geschilderten Unterredung in Zweifel zieht. Busch soll das, was er Bismarck in den Mund legt, ans den Diktaten Bismarcks, wie sie ihm Lothar Bucher zugänglich gemacht hatte, ausgezogen und dann der Wahrheit zuwider als direkte Mitteilung des Kanzlers an ihn ausgegeben haben.

Wie kommt Professor Kohl zu dieser abgeschmackten Verdächtigung? Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß der ernsthafte Historiker seine Objektivität so weit getrieben habe, sich gar nicht um den im Februar 1889 erschienenen Grenz­botenartikel zu kümmern. Er hätte doch sonst sehen und wissen müssen, daß dieser Ar­tikel (Die Kaiserfrage nnd die Geffckenschen Tagebuchblätter"), den Bismarck gesehen, abgeändert und schließlich gebilligt hatte, der also jedenfalls dessen Erinnernngen und damaligen Ansichten entsprach, und den Bnsch nun und nimmermehr ohne ihm erteilte spezielle mündliche Instruktion hätte abfassen können, in der Haupt­sache schon alles enthält, was später sowohl dieGedanken und Erinnerungen" als auch die Buschischen Tagebuchblätter über den Gegenstand gebracht haben, daß also Busch für diese nicht erst aus einem ihm mitgeteilten Manuskripte, das im Februar 1889 noch gar nicht existierte, zn schöpfen brauchte.

Wir wollen den Spieß nicht umdrehn nnd behaupten, daß Herrn Professor Kohl eine absichtliche Verdrehung der Thatsachen vorzuwerfen sei; nur nehmen viel­wehr an, daß der ernsthafte Historiker wirklich keine Ahnung von dem Grenzboten­artikel und seiner Beweiskraft sowohl für die Stelle derGedanken und Erinnerungen" Wie für die in Buschens Tagebuchblättern hat; er hat sich weder nm diese noch um den Grenzbotenartikel gekümmert. Das aber bezeichnen wir als eine Leichtfertig­keit, die sich wunderlich ausnimmt neben der Gehässigkeit dieses unmotivierten und kläglich verunglückten Angriffs auf Busch. G. St.

IrMutillaKS

von Luise Glaß

on soir, von soir! Da wären wir wieder in Deutschland.

Mit diesen Worten sprang Jean Leporö aus dem Frankfurter Harmonikazug und schüttelte dem großen, blonden jnngen Mann, der ihn erwartet hatte, kräftig die Hand.

Willkommen, sagte der und betrachtete den feingliedrigen Jüng­ling mit einer leisen, mißtrauischen Spannung. Ehrlich gestanden: ein unerwarteter Gast.

Leporü lachte; ein Hauch von Verlegenheit ging dabei über sein hübsches, offnes Gesicht. Er griff nach Handtasche und Schirm, ließ die Augen über die Menschen- sulle des Bahnsteigs schweifen und sagte endlich: Wie spricht ener großer Poet und